Unterhaltsam: Bosbach, Gisy und der Neoliberalismus

Gerade zufällig gesehen: Es läuft auf Phoenix „Unter den Linden„. Übrigens meiner bescheidenen Meinung nach eine Sendung, die durchaus zu empfehlen ist. Diesmal mit Wolfgang Bosbach (CDU, Jurist) und Gregor Gysi (PDS, Jurist). Thema der Sendung: „G8 und innere Sicherheit – wie weit darf Widerstand gehen?“ Natürlich geht es dabei auch um die alte Diskussion um unsere ach so böse „neoliberale Welt“. Diese Sendung gibt es als Stream auch online.

Auch wenn Gysi und Bosbach ein nettes Pärchen für eine Talkshow sind… der Grund, warum ich nicht gleich weitergeschaltet habe war Herr Bosbach, der gerade dabei war, zu erklären, dass wir (sinngemäß) „heute nicht mehr eine so einfache Weltordnung mit Russland auf der einen Seite und den USA auf der anderen“ hätten, sondern

„heute gibt es eine sehr viel kompliziertere Bipolare Welt, in der die Fronten nicht mehr so klar sind, sondern China, Indien, Europa, …“

oha. Sehr bipolar. Gysi beweist dagegen mal wieder, dass sich krude sozialistische Weltsicht und rhetorische sowie gedankliche Überlegenheit nicht notwendigerweise ausschließen müssen. Er fragt noch einmal extra nach: „Bipolar? Was meinen sie jetzt mit bipolar?“. Interessiert Bosbach nicht. Er wiederholt das Bi. Ein Jurist, der so wenig Fremdwörtersicherheit hat und trotzdem stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Konservativen?

Anschließend setzt er es fort, mit aller Macht beweisen zu wollen, dass es CDUler gibt, vor denen mir genauso bange wird, wie vor manchen sozialistischen Extremisten. Die G8 hält er für sinnvoll. Weil sie sinnvoll ist. Das sollte ja als Begründung auch reichen. Sehr tiefschürfend. Gegen Gysis für einen Sozialisten schon sehr ausgefeilte Argumentation hat er also auch in dieser Thematik nichts aufzubieten. Gysi (sinngemäß):

„Wie könnte ich gegen die Globalisierung sein, eine offensichtliche Entwicklung? Das wäre ja wie zu sagen ‚ich bin gegen Erdbeben‘. Ich halte eine Globalisierungskritik für sinnvoll, nicht eine Globalisierungsfeindlichkeit.“

Oha. So zieht sich also ein Sozialist aus der Affäre, der im Unterschied zu seinen Genossen versucht, einen Spagat zwischen Hirn und Fundamentalismus zu machen. Ach ja. Bosbach war übrigens derjenige, der laut Wikipedia folgende gruselige Forderungen verfochten hat. Gerade kommt es nämlich auch in der Diskussion auf dieses, Bosbachs Fachgebiet:

Bosbach forderte am 21. November 2006 eindringlich eine Zensur des Internets, um den Zugriff auf Killerspiele zu erschweren, für die er auch Herstellungsverbote verlangt.

Ich sags ganz offen. Mit solchen Leuten in einer Koalition wäre eine liberale Politik bestimmt nicht machbar.