Warum Facebook nicht die Welt erobert

Wenn ich mir Facebook so anschaue und mit Studivz vergleiche, was ich dort sehe, ist die Sache eigentlich klar. Studivz war ein Klon. Noch dazu einer, der in der ersten Zeit weder technisch irgendwie zuverlässig lief, noch Datenschutzrichtlinien einhielt. Die Funktionalität immer nur soweit freigegeben, dass die traurigen Server nicht ununterbrochen offline gingen. Mittlerweile hat sich das ein klein wenig gebessert. Allerdings entwickelt sich facebook wiederum fort, was man von studivz abgesehen von der immer aggressiver werdenden Werbung kaum behaupten kann.

Mittlerweile ist dann doch schon die Frage, ob man facebook nicht Unrecht tut, studivz als einen Klon davon zu bezeichnen, alleine wenn wir die Funktionalität vergleichen, von den konzeptionellen Unterschieden mal ganz abgesehen. Beim Original gibt es schon lange vergleichsweise ausgefeilte Privacy-Einstellungen, bei Studivz Fehlanzeige, facebook hat seit langem das Konzept auf die Ereigniss-Informationsschiene aufgebaut, d.h. wenn jemand, den man kennt etwas macht, einer Gruppe beitritt oder ähnliches, bekommen das die anderen mit, luxuriöserweise sogar als RSS-Feed, bei studivz ist man tierisch stolz, die Bilder-Tagging-Funktionalität nachgebastelt zu haben, bei facebook gibt es schon eine ganze Weile eine Video-Tagging-Funktionalität, um seine Freunde darin zu markieren. Gerade veröffentlichten dann auch noch die Chefs von facebook eine „API“, eine Schnittstelle, mit deren Hilfe alle möglichen Anbieter eigene Programme als eine Art Plugin für Facebook anbieten können, soll wohl ein Schritt sein, um den Vorsprung von Myspace einzuholen.

Wer mehr kann ist also eigentlich in allen Bereichen halbwegs klar. Da ärgert man sich dann manchmal doch ein bisschen, dass wir in Deutschland nicht „das Original bekommen“, das mehr kann als unsere Copycat. Es scheint, als hätte Facebook gar kein Interesse daran, auf unseren Markt zu expandieren. Müssen wir wirklich auf die Marktsättigung in den USA warten, bis es mal ein paar Anpassungen im System gibt, die es uns mit unserer Hochschul- und Unistruktur ein bisschen bequemer macht, uns in Facebook zu tummeln? Denn erst, wenn der Komfort deutlich steigt, ist wohl zu erwarten, dass die Benutzerzahlen ansteigen und das ist schließlich der Schlüssel zum Erfolg jedes Social Networks. Das Facebook „Network Germany“ wird bei mir gerade mit einer Mitgliederzahl von 29,251 angezeigt. Das reicht natürlich nicht aus.

Dazu müsste ja, denke ich, gar nicht so viel Aufwand betrieben werden. Es ist ja schon etwas ungewöhnlich, dass es die Oberfläche von Facebook nur auf englisch zu geben scheint, aber das wäre ja noch das kleinere Problem. Wenn man sich dann hier an einer Uni einträgt, wohl eher eine Grad-school dann, ein wirkliches College gibt es in Deutschland nunmal gar nicht, die Jahrgangsstruktur ist auch nicht so ausgeprägt wie in angloamerikanischen Hochschulen, dann tritt die Inkompatibilität des Lebens eines Studenten in diesen Breiten mit dem System für US-Amerikaner schnell zu Tage. Probleme, die dazu da sein sollten, gelöst zu werden, denn in dem Punkt, gebe ich den Studivz-Machern recht, die anscheinend mit den Ausgründungen in Italien, Frankreich oder Spanien eine europäische Expansion vorzubereiten versuchen.

Die Hochschullandschaft ist nunmal international. Wenn in vielen Fachbereichen ca. die Hälfte aller Studenten einen Auslandsaufenthalt als Teil ihres Studiums hat, dann wird schnell klar, dass gerade da die Nachfrage nach einem System eigentlich groß wäre, dass international integrieren kann. Mal sehen, ob in diesem einen Punkt vielleicht studivz dann tatsächlich aufgrund der Trägheit des großen Bruders facebook irgendwann mal die Nase auch in technischer Hinsicht vorn hat, nicht nur in der Zahl der deutschen Teilnehmer.

Update: Robert Basic schimpft über die deutschen Webunternehmer, die seiner Ansicht nach verschlafen, wenigstens auf den Hype der Facebook-Plugin-Anbieterei aufzuspringen, wie es Senkrechtstarter last.fm gerade traumhaft vorgemacht hat. Lesenswert.�