[lang_de]UCU-Antisemitismus-Skandal in Großbritannien[/lang_de][lang_en]UCU-antisemitism in Great Britain[/lang_en]

Hätte ich vom UCU-Skandal noch vor dem wirklich inhaltlich wie didaktisch hervorragenden Vortrag von Prof. John Pendry vom Imperial College gelesen, hätte ich wahrscheinlich während des ganzen Vortrages darüber gegrübelt, ob dieser Professor wohl ebenfalls Mitglied der UCU ist, offensichtlich eines Verbandes, der nicht mit der Wimper zuckt, einen Aufruf zu einem Israel-Boykott loszulassen. Ich wüsste mal gerne, wie dort Entscheidungen wie diese zustande kommen. Zuerst wollte ich die Nachricht ja ehrlich gesagt gar nicht glauben und habe überlegt, ob es wohl im Iran einen Verband namens UCU geben könnte. Ein Fehler, wie ich vorhin erfuhr.

Ich erlaube mir, Jörg Lau zu zitieren:

Antisemitismus in britischen Unis: Akademischer Israel-Boykott beschlossen

Die britische Akademiker-Gewerkschaft UCU (University an College Union) hat einen Boykott Israels beschlossen. Mit ihren 120.000 Mitgliedern ist UCU der einflußreichste Verband in der höheren Bildung in Grossbrittanien.
Der Boykott kann bedeuten, dass israelische Akademiker von Austauschprogrammen und instituioneller Förderung ausgeschlossen werden, dass britische Forscher nicht mehr mit israelischen Publikationen zusammenarbeiten oder ihrerseits nicht mehr zu Gastvorträgen und scholarships nach Israel reisen.

Im Detail geht es um die auf dem UCU-Gründungskongress (120.000 Mitglieder) mit 158 gegen 99 Stimmen beschlossene Unterstützung eines Israel-Boykott-Aufrufs palästinensischer Gewerkschaften. Sally Hunt, erst am 9. März(en) relativ knapp gewählte Generalsekretärin der UCU, meinte laut Guardian(en) vor dem Kongress, sie glaubte nicht, dass die Mitglieder eine solche Resolution unterstützen würden. Das war dann wohl eine Fehleinschätzung.

Und ich kann dem eigentlich kaum etwas hinzufügen, was Lau folgert:

Der Schritt ist nicht nur abstoßend durch seine moralische Überheblichkeit gegenüber einem Land, das unter der Vernichtungsdrohung Irans und seiner Helfershelfer lebt.
Er ist auch politisch dumm, weil er die kritischen Kräfte der israelischen Öffentlichkeit isoliert und das – diesmal berechtigte – Gefühl verstärkt, auf Europa nicht zählen zu können.
Die Begründung, mit der die UCU zum Boykott aufruft, ist geradezu obszön: Der Boykott solle die “Komplizenschaft der israelischen Akademiker” bei der 40 Jahre andauernden Besatzung treffen.

Wie soll man auf so etwas reagieren? Ich denke mit Ignoranz am allerletzten. Ich habe eine E-Mail weitergeleitet bekommen, wie eine Mail an einen UCU-Verantwortlichen aussehen könnte. Vielleicht lohnt es sich ja, diese abzuschicken. Am besten von euren Uni-Adressen aus. Persönlich formuliert wirkt das Ganze wahrscheinlich noch besser, aber für alle fauleren unter uns:

Dear Prof. Hunt,

I am working at …

I would like to express my disappointment from the UCU because of this activity. I appreciate the fact that as a democratic institution in a democratic country people have the freedom to express their opinions.
However, it is hard to ignore the lack of balance in this kind of activities.

Israel is an island of democracy between totalitarian regimes surrounding it. Equality of opportunities is practiced there much more than anywhere else in the Middle East. It is the only country in the region where people can really say what they think and express their opinions. Academic institutions are in the lead in organizing and taking part in activities which promote peace. Dialogues, common activities, meetings and research cooperation take place between Israeli and Palestinian academics on a regular basis. Many voices calling for peace come from those academic institutions that UCU calls to boycott.
Secondly, where is the UCU when human rights in Saudi Arabia or Iran, or women rights in Muslim countries are ignored and practically do not exist? And what happens to people in these totalitarian countries who dare to say what they really think? Just to take one example, Palestinian homosexuals find often shelter in Israel, which has far-reaching rights for the gay and lesbian community, rights which are similar to those given in the most advanced societies in the world.
Those homosexuals, if caught in the Palestinian territories, are killed by other Palestinians, just because of their sexual preference. Why is the UCU ignoring these regimes and what they do to certain groups in their societies? The fact that the UCU ignores it is an indication of a severe lack of balance in the argumentaion, and lack of fairness. Some people even argue they stem from antisemitism, modern forms of ‚Judenrein‘, and I tend to sympathize with these arguments.

Israel has world-leading academic institutions and excellent research and researchers. If the UCU truely wants to promote peace in the middle-East, I would welcome such initiatives and appreciate them. They may be done by promoting dialogues between Palestinian and Israelis, cooperation and listening to each other. The boycott will not reach any of these goals. The informal boycott of UCU members, which has already been taking place for several years, has not reached anything but increasing anger and frustration on the Israeli side, and in those who sympathize with Israel and its difficult situation. The boycott does affect the state of Israel but Israelis, who do not necessarily identify with everything Israel does, and even fight against it. Such boycotts will only be an obstacle for them.

Allow me just to mention that of course being an occupier is not a comfortable situation for Israel. However, the picture is not absolute, the way UCU members try to show it. Being an academic requires seeing the whole picture and its grey rather than black-white colors. I wonder how come this is not the way several UCU members see things, and I wonder how come with their activities they decide to actually fight academic freedom, justice and in doing this not contributing even a bit for the promotion of peace.

Thank you very much for your attention.

Sincerely yours,
….

Außerdem gibt es mittlerweile auch eine Onlinepetition(en), der ich mich gerade angeschlossen habe.

Auf den Seiten des UCU (en) gilt es zu bestaunen, wie die UCU im Nachhinein versucht, sich aus der eindeutigen Abstimmung für die Unterstützung eines unsäglichen Anliegens herauszureden, indem argumentiert wird, dies sei nur ein Schritt, der die Diskussion für eine definitive Entscheidung für oder gegen ein eigenes Boykott.

Nachtrag: Mittlerweile gibt es auch eine Petition, die von einer ganzen Reihe wissenschaftlich angesehener und politisch denkfähiger Größen ins Leben gerufen und unterzeichnet wurde, darunter auch eine Reihe von Nobelpreisträgern. Zu finden auf den Seiten von SPME. (via Statler)