Nahverkehrs-Handyticket – Beta ist Beta

Ein klasse Service, den der VGN, die Verkehrsbetriebe im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen da anbieten. Man kann es sich seit Kurzem sparen, vor Fahrtantritt noch zu einer großen metallenen Kiste zu laufen, sie mit (viel zu viel) Geld zu füttern und, sollte man mal wie ich fast immer, kein Kleingeld dabei gehabt haben, viel mehr viel kleineres Geld zurückzubekommen.

Die VGN nehmen nämlich mit Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Essen, etc. etc. an einem Pilotprojekt teil, das sich Handyticket nennt. Die Firma Handyticket scheint laut der Homepage ein Projekt einer Siemens-IT-Tochter, eines Fraunhofer-Institutes und einer Firma zu sein, mit der ich jetzt nicht so viel anfangen kann. Das Ganze funktioniert folgendermaßen:

Online anmelden und Handynummer sowie Bankverbindung angeben oder einen Treuhandservice la Paypal, alternativ kann man wohl auch prepaid arbeiten. Dann bekommt man eine SMS aufs Handy, die einen Downloadlink enthält. Eine Java-Software lädt sich aufs Handy. Die startet man und kann damit mit einer PIN sein Ticket online kaufen und aktuelle Verbindungen heraussuchen lassen. Wenn der Schaffner kommt, zeigt man sein Handy mit ein paar Daten und irgendeinem kryptischen Code. Ich teste das jetzt seit knapp einem Monat und es gefällt mir sehr gut. Vielleicht auch deshalb, weil ich ab und zu ein bisschen knapp beim Zug ankomme.

Lustig war allerdings, dass Busfahrer anscheinend nicht über diese neue Technik informiert wurden. Ich habe jedenfalls schon mehrmals ein überraschtes „Woas’na des?“ geerntet. Sehr positiv fiel mir auf, dass das Ganze nicht WAP-basiertes Bastelzeug ist, sondern nur ganz kurz eine Verbindung ins Netz aufbaut und den Rest in der Software auf dem Handy erledigt. Das verringert natürlich die mobil-Internet-Gebühren, die ansonsten unverschämt hoch wären, so zahle zumindest ich nur ein paar Cent mehr pro Ticket, wenn ich es mir aufs Handy schicken lasse. Probleme wie der Schreiberling vom nordbayern.de-Blog hatte ich jedenfalls nicht.

Ganz ausgereift ist das Ganze natürlich dann doch nicht. Was sollte man auch von einem „Beta“-Webservice erwarten. Ich musste zumindest heute auf meinem neu ausgetauschten Handy die Software neu installieren. Selbe Handynummer natürlich. Das System kann einem dummerweise die Software aber nur bei der erstmaligen Anmeldung zuschicken. Schließlich hat es dann doch geklappt, denn die Dame von der Telefonhotline war sehr freundlich und technisch auf der Höhe der Zeit. So wünscht man sich das.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis. Als Liberaler ist man natürlich auch ein bisschen datenschutzsensibel. Zurecht weist datenspeicherung.de nämlich darauf hin, dass eine korrelierte Speicherung von Fahrkartendaten und persönlichen Daten einiges über die Menschen verrät, die dahinter stecken. Nun komme ich aber oft schon gar nicht ums Bahn-Onlineticket herum. Einfach aus Praktikabilitätsgründen. In den AGB stehen wie immer die mehr oder weniger theoretischen Versprechungen, die Daten werden nur zu diesem einen Zweck verwendet. Mal sehen, ob irgendwann ein netter Brief mit einem personalisierten Dauerticketangebot von der VGN bei mir im Briefkasten eintrudelt. Das wäre dann wirklich ein Grund, meinen Selbstversuch wieder zu stoppen. Andererseits sind die Verkehrsbetriebe ja nicht Google.