Manipulation am gesunden Menschenverstand

Giveaways von Lobbyisten auf dem FDP-BundesparteitagGerade mache ich es mir nach einer schönen Geburtstagsfeier einer Freundin – im Fürther Theatertage-Spiegelzelt gegenüber dem Fürther Stadttheater – mit zwei Zeitungen gemütlich, konsumiere nebenbei noch ein paar Pfefferminztraubenzucker und komme auf die interessante Idee, inwiefern die auf dem FDP-Bundesparteitag wie auf fast allen anderen politischen Großveranstaltungen verteilten kleinen Geschenkchen einen unterbewussten Einfluss auf unsere politischen Entscheidungen und Meinungen haben.

Natürlich lassen wir uns ganz oberflächlich betrachtet nicht von allen möglichen Firmen wie Deutscher Bahn, Medienunternehmen, Energieunternehmen aus dem klassischen wie aus dem regenerativen Sektor, Finanzunternehmen oder IT-Firmen, die dort versuchen Lobbying zu betreiben „kaufen“. Mir zumindest verbietet das mein persönlicher Stolz auf die eigene Meinung. Ein vernünftiges Gespräch mit den dort anwesenden Werbern, darunter manchmal auch wirklich Leute, von denen man interessante Infos erhält, ist da meiner Ansicht nach dann doch noch etwas anderes und durchaus legitim. Wissen sollte man meiner Meinung nach nie abschlagen. Und den netten qualitativ nicht schlechten Regenschirm mit Aspirin-Werbung habe ich als Student auch nicht links liegen lassen – wenn man mal ehrlich ist, verwendet man Aspirin so oder so und ich bin trotzdem für die Liberalisierung des Arzneimittelmarktes, auch wenn Bayer etwas anderes lieber sähe.

Als ein großer internationaler Tabakkonzern dann auf der Abendveranstaltung Hostessen auflaufen ließ, die kostenlos Glimmstengel unter die Leute brachten, hat das auf mich sogar eher einen abschreckenden Eindruck gemacht, obwohl ich als Nichtraucher nun wirklich nicht zur militanten Sorte gehöre und eigentlich für Toleranz bei Nichtbeeinträchtigung anderer Leute Selbstbestimmung immer zu haben bin.

Mehr Sorgen bereiten mir da Meldungen wie diese im Spiegel gefundene:

Es ist ein ewiges Rätselraten für Werber: Erreicht die Reklame die gewünschte Zielgruppe? Welche Geschichten, welche Musik und welche Gesichter verführen? Die moderne Hirnforschung versucht jetzt, mithilfe von Kernspin-Tomografie zu verstehen, was Reklame in unseren Köpfen anstellt.

Unterbewusst, bei manchen vielleicht auch nicht ganz so unbewusst, haben diese kleinen Pfefferminztraubenzuckerchen ja unter Umständen doch einen Einfluss auf das Urteilsvermögen. Gut, vielleicht nicht die der deutschen Bahn, wobei sie wirklich gut schmecken, aber ich habe immer noch das unglaubliche quietschen der bei uns vorgestrigen Bremstechnik der Nahverkehrszüge von heute Abend in den Ohren. Also dann heute abend nur noch DB-Traubenzucker, weil die Werbewirkung für heute überkompensiert ist.

Ach ja. Bin ich eigentlich der Einzige, der sich aus lauter Neugierde ernsthaft die merkwürdigen Werbe-CDs/DVDs angetan hat, die auf dem Parteitag verteilt wurden? Zumindest die ersten Minuten. Ich weiß ja nicht, aber das Dummgeschwätz, insbesondere für Galileo hat mich nicht wirklich überzeugt. Die Werbung für einen sächsischen Solarzellenhersteller war zumindest in der chinesischen Sprachfassung, von der ich fast nichts verstanden habe, ganz amüsant.