[lang_de]Lang lebe Sir Rushdie[/lang_de][lang_en]Long live Sir Rushdie[/lang_en]

Salman Rushdie. Foto von Mariusz Kubik (c). Verfügbar auf wikimedia commonsEin Hoch auf einen verdienten Literaten. Lang lebe Salman Rushdie! Rushdie, der Mann, auf dessen Kopf der Iran 6 Mio. US $ ausgesetzt hat, genug um irgendeinem dahergelaufenen Fanatiker den Himmel auf Erden zu ermöglichen. Für die Welt hat die ebenfalls wegen radikalmuslimischer Morddrohungen unter Polizeischutz lebende Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali anlässlich der Reaktionen auf den geplanten britischen Ritterschlag für Salman Rushdie gewohnt provokativ einen lesenswerten Artikel „Lang lebe die Königin“ geschrieben, in dem sie insbesondere auf eine Verkennung der Bedeutung von symbolisch-fanatischen Handlungen wie Queen-Puppen-Verbrennungen hinweist:

Und in diesem Kontext sind Symbole nicht bloß Bilder, sondern eine Frage von Leben und Tod. Sie verkörpern Ehre (die es unter Einsatz des Lebens zu verteidigen gilt) und Scham (die zu verhindern man stirbt oder tötet). Der, der tatenlos zusieht, wie seine Symbole demoliert werden, hat seine Ehre verloren.

Ich verstehe durchaus, dass die plumpen und primitiven Äußerungen von Politikern wie dem pakistanischen Religionsminister Muhammed Ijaz ul-Haq nicht ins klassische Diplomatensprachmuster passen: „Der Westen bezichtigt die Muslime des Terrorismus. Wenn jemand eine Bombe an seinem Körper zündet, wäre er im Recht, wenn sich die britische Regierung nicht entschuldigt und den Titel des ‚Sir‘ zurückzieht.“ Offensichtlich machen sich solche Politiker bei uns eher lächerlich, das hilft der „westlichen Welt“ aber im Zweifelsfall nicht wirklich, sobald hier wieder Bomben gezündet werden. Trotzdem und gerade deshalb gilt es, darauf zu reagieren, wenn in einem Land Menschen an der Macht sind, die die ansonsten als anerkannt geltenden, toleranzgeprägten Regeln nicht nur ignorieren, sondern nachhaltig bekämpfen wollen, klar nein zu sagen, Grenzen zu ziehen, Sanktionen anzudrohen und auch mal auf das eine oder andere Wirtschaftsgeschäft zu verzichten.

Sobald ich wieder ein bisschen Platz auf meinem Nachttisch habe, werde ich mir endlich einmal Salman Rushdies Satanische Verse bestellen. Ich freue mich schon darauf. Und ich hoffe, dass England seinen Kurs in diesem Punkt durchhält. Die Queen ist in meiner Hochachtung durch das bisschen Mut, das sie bewiesen hat auf jeden Fall gestiegen.

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