Mr. Stasi 2.0 im Interview

Die zugespitzte offene Kampagne „Stasi 2.0“ gegen die fehlgeleiteten Allwissenheitsbestrebungen unseres Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble haben sicher mittlerweile die meisten der im Internet Aktiven irgendwo gesehen. Zum Beispiel ab jetzt auch bei Freiheitsfreund. Es geht um den Mann, der am Wochenende erst auf die gloriose Idee des Internet- und Handyverbotes für „Terrorverdächtige“ kam und offensichtlich ganz nach James Bond die Lizenz zum Terroristentöten verteilen will. Nun wurde Wolfgang Schäuble im Spiegel-Interview gefragt, was er davon hält (via netzpolitik). Seine Antwort:

SPIEGEL: Ein Verkaufsschlager im Internet ist ein T-Shirt mit Ihrem Konterfei und der Unterschrift “Stasi 2.0″. Kennen Sie es?

Schäuble: Bisher nicht. Da hat sich, wenn ich das ironisch sagen darf, wenigstens die Marktwirtschaft durchgesetzt. Im Ernst: Das ist das Ergebnis von unseriösen öffentlichen Debatten und unseriöser Berichterstattung, und das ärgert mich. Wenn ich mit 15- oder 16-jährigen Schülern diskutiere, dann tut es mir schon weh, wenn ich die Folgewirkungen dieser Debatten sehe. Diese Kinder, die überhaupt keine Hemmungen haben, alle ihre Daten im Internet zu verbreiten, glauben jetzt, sie würden in einem Staat leben, wo sie der Innenminister rund um die Uhr überwacht.

À propos: Kann es sein, dass alle radikalen Vorschläge Schäubles über den Spiegel veröffentlicht werden oder täuscht der Eindruck? Wenn ja, wäre es wert, mal nachzuforschen, ob er wirklich selbst auf diese abstrusen Ideen kommt oder nur böse instrumentalisiert wird. Natürlich nicht vom Spiegel, schon klar.

Übrigens gab es das diskutierte „Stasi 2.0“-T-Shirt bisher bei dataloo, produziert zum Selbstkostenpreis, Gewinne wurden an den AK Vorratsdatenspeicherung gespendet, laut dataloo ca. 10.000 Euro, der AK, der auch die lustige orangene „Stasi 2.0“-Banderole im rechten oberen Eck aller möglichen Homepages gebastelt hat und zum einfachen Einbinden zur Verfügung stellt. Wenn Stäuble diese Aktivitäten und das Zurverfügungstellen eines T-Shirts zum Unkostenpreis meint, wenn er sagt „…wenigstens die Marktwirtschaft durchgesetzt“, dann soll es mir recht sein, dass er sich darüber zumindest ironisch freut.

An anderer Stelle habe ich auch schon einmal auf eine dazu entworfene freie Schriftart mit den Konterfeien einiger Politiker im Stasi-2.0-Stil verwiesen, die sich praktisch nutzen lassen.