„Verein zur Rettung der SPD“

Kurt Beck, SPD-Bundesvorsitzender. Foto: Holger Noß. Wikipedia. Unterliegt Creative Commons CC-by-sa.Wenn es Beileid [für die SPD] gibt, dann von Liberalen und Christdemokraten: schon wieder ein Sprung im Dreiparteienweltbild.„, so schreiben die Autoren eines sehr lesenswerten Artikels über einen Versuch für das Zeit Magazin Leben, das mir immer besser gefällt. Ein Fazit, der auch meine Eindrücken des politischen Mikroklimas widerspiegelt, das ich derzeit erlebe. Die Grünen dagegen, vor gar nicht allzu langer Zeit noch Koalitionspartei der früheren linken Volkspartei SPD antworten gewohnt aggressiv mit Sätzen wie „Nö. Ich bin für Schwarz-Grün“ den drei Zeit-Journalisten, die sich mit einem Infostand „Verein zur Rettung der SPD“ so authentisch im berliner Regierungsviertel platzierten, dass auch das Intellektuellen-Boulevardblatt Spiegel und die seriöse ARD sowie das weniger seriöse RTL darauf hereinfielen.

SPD-Wahlplakat von 1932. Unterliegt public domain.Einen Tag haben die Zeit-Journalisten inkognito als SPD-Retter durchgehalten und dabei 32 Unterschriften bekommen, hauptsächlich schließlich von Kommunisten der Linkspartei, die sich sorgen zu machen schienen, einen anderen Koalitionspartner in ihrer erträumten großen sozialistischen Zukunft zu finden. SED-Kader im Traum ihrer Wünsche. Das fiktive Flugblatt mit dem Titel „Verein zur Rettung der SPD“ gibt es netterweise sogar als PDF online. Für den Selbstversuch oder die Übernahme durch reale Aktivisten. Es ist schon traurig, ehrlich gesagt, wenn eine ganze demokratische Strömung, die der Sozialdemokratie, die gruselige Fratze ihrer offensichtlich egozentrischen und raffgierigen bis desillusionierten und traditionalistischen bisherigen Kernwählerklientel vorgehalten bekommt, die so gar nicht dem theoretischen Ideal der Solidarität und Arbeitsethik entspricht. Die einen schimpfen auf den real-sozialdemokratischen Kurs von Altkanzler Gerhard Schröder, dem „Genossen der Bosse“, die anderen sind einfach sauer auf ihre Lebenssituation und lasten selbst das dem eigentlichen Nichtstun der derzeitigen schwarzroten Bundesregierung an. Da kamen dann laut diesem Artikel Reaktionen von Passanten wie:

… Meint auch Erhard L., arbeits- und zahnlos. „Find ick jut, wat ihr da macht.“ Für die SPD sei er immer gewesen. Jetzt sei er allerdings mehr für die Linke. Wie man ihn wieder für die SPD gewinnen könnte? Er überlegt. Na ja, wenn sein Hartz IV auf 400 Euro pro Monat erhöht würde, wolle er gern wieder SPD wählen. Na bitte: Der Wähler kehrt an den Verhandlungstisch zurück. Erhard L. ist der Erste, der seine Unterschrift für die Sozialdemokratie zurücklässt. Beschwingt vom aufmunternden „Weiter so!“ des Genossen, wenden wir uns dem Tagwerk zu. Es sollen für längere Zeit die letzten netten Worte gewesen sein.

Denn als Nächstes lernen wir: Die SPD ist den Menschen nicht gleichgültig, sie ist ihnen zuwider. „Ich mein’ … hallo?!“, ruft eine junge Frau, „also … hallo?! Ihr wundert euch noch, dass es euch schlecht geht? Die CDU hat in zwei Jahren mehr für die Gleichstellung der Frau getan als Rot-Grün in sieben! Was hat die Renate Schmidt denn zustande gebracht!?“

Und ich gehöre noch immer zu den nicht so wenigen Idealisten, die radikalen Wahlkampfkampagneros gegenüber zugeben, dass man auch als Partei in einem Wahlkampf die eigenen Vorteile herausstellen muss und dabei auf die drängenden Fragen der Bürger die passenden Antworten geben soll. Zu denen, die aber nicht wahr haben wollen, dass die Wähler in der ganz großen Mehrheit raffgierige Menschen sind, die aufgrund von nichts anderem als dem eigenen Profit ihre Wahlentscheidung abwägen.

Jetzt werde ich mich daher aufmachen als einer der JuLi-Vertreter zu einer FDP-Sitzung des sogenannten „Unterausschuss Hochschule“ der FDP Bayern. Dort geht es darum, sich Gedanken um sinnvolle Forderungen für eine bayerische Hochschulpolitik nach dem Landtagswahlkampf im Herbst 2008 zu machen. Klare, realistische, glaubwürdige und konsistente Konzepte sind das Ziel. Lösungen für die Fehler der CSU-Hochschulpolitik. Ein straffer Zeitplan steht an und ich muss los.