Mein Zeitungs-Universum

Zeitungen: Welt, Zeit, Zeit MagazinPatrick Jedamzik hat eine Blogparade (wie der hier erwähnte Blogkarneval) ins Leben gerufen, der mit „Tageszeitungen“ bis zum 11. August ein für alle politisch interessierten Menschen da draußen ein wirklich interessantes Thema hat. Und da es ein Thema ist, mit dem ich mich gezwungenermaßen aber auch gerne immer wieder beschäftige. Und da ich auf die Auswertung seiner Frage gespannt bin:

„…welche Tageszeitung man liest und wieso – oder eben wieso man keine liest und woher man seine Informationen alternativ erhält. Damit richtet sich die Parade nicht nur an regelmässige Zeitungsleser, sondern natürlich an alle Blogger.“

bekommt er natürlich auch eine Antwort von Freiheitsfreund:

Ich lese gerne auf Papier. Eine Gewohnheit von mir. Nicht nur Bücher, sondern auch Zeitungen, mag man davon aus ökologischer Sicht halten, was man will. Es geht schneller, als auf einem unübersichtlichen Bildschirm, selbst wenn man die Vorteile des Hypertext und von News-Aggregatoren und Feed-Readern dazurechnet. Trotzdem verwende ich gerne meinen Feed-Reader. Sollte nicht in nächster Zeit eine ganz und gar revolutionäre Erfindung ihren Weg in meine Hände finden, dann werde ich auch weiterhin ganz real jeden Morgen meinen Briefkasten leeren und die neuesten Nachrichten aus aller Welt daraus hervorfischen.

Unabhängig von der Publikationsform, in der ich sie lese, hier die journalistischen Organe absteigend in der Häufigkeit, wie ich sie lese:

  • Die Welt täglich, weil ich sie kostenlos bekomme. Selbst abonnieren würde ich sie nicht. Gedruckt, morgens, kurzer Überblick über aktuelle Ereignisse, die letzte Seite gibt einen schnellen Eindruck über die Schwerpunkte des Schmierblattes Bildzeitung, nicht schlecht zu wissen. Ansonsten eine Zeitung, die sich in regelmäßigen Abständen für lau prostituiert, staatsmännisch tut aber oft genug nur populistisch daherschwafelt, nebenbei wichtigen Mitarbeitern wie Chefkommentator Alan Posener den Mund verbietet, auf seinem, mittlerweile zwangsgeschlossenen Blog eine Meinung über das Springerschwesterblatt Bild und dessen Chef Kai Diekman kundzutun. Welt Debatte ist andererseits trotz allem ein wirklich gutes Onlineangebot dieser Zeitung, in das ich gerne mal reinschaue.
  • Die Süddeutsche Zeitung täglich, weil sie gut geschrieben und recht gut recherchiert ist. Nicht ganz überparteilich, aber das weiß man ja, wenn man sie liest und die Zeitung berichtet über die bayerische Landespolitik. Alle wichtigen Ressorts sind in meinem Feedreader abonniert, besonders der politisch für mich besonders interessante Teil Bayern wird täglich überflogen und in Teilen gelesen. Nur per RSS, kein Abonnement, gekauft wird sie, wenn etwas besonders interessantes drinsteht. Weil ich die Süddeutsche lese, lese ich keine FAZ, auch wenn die in manchen bereichen besser geschrieben wäre.
  • Die Fürther Nachrichten, Nürnberger Nachrichten, Erlanger Nachrichten täglich, drei verschiedene Lokalteile einer gemeinsamen Tageszeitung in mehr oder weniger erbärmlicher Qualität, alles Überregionale sowieso nur im dpa-Wortlaut, die Lokalmeldungen und Kultur vor Ort gibt es aber nunmal leider nur in diesen Zeitungen. Hin und wieder auch mit Lichtblicken wie der Jubiläums-Sonderbeilage zum 1000-jährigen Fürther Stadtjubiläum. Natürlich nicht im Abo, online, aber leider aufgrund technischer Rückschrittlichkeit immer noch ohne Newsfeed, die Seiten liegen bei mir daher in den täglich benutzten Browser-Lesezeichen.
  • Die Zeit jede Woche, das journalistisch und stilistisch, meiner bescheidenen Meinung nach bestgemachte Blatt, das es leider nur einmal die Woche gibt und das leider, was andererseits der Qualität zuträglich ist, nicht über jeden Reissack berichtet. Sonst würde ich sogar auf die kostenlose Welt verzichten. Die Zeit habe ich im Abo, jeden Donnerstag wird das Wichtigste gelesen, den Rest der Woche der Rest und das Zeit Leben. Außerdem sind die RSS-Feeds (hervorragend organisiert) in meinem Newsreader und ich bekomme den täglichen Newsletter, Zeit Zünder und die Zeit Blogs sind ebenfalls nicht schlecht.
  • Den Spiegel, investigativ noch profilierter als Die Zeit. Verlässliche Infos. Den Stil gibt es nur einmal. Leichter und schneller zu lesen, außerdem im praktischen Versatz zur Zeit: Montags statt Donnerstags. Leider nicht im Abo, aber jede Woche online, dazu die Feeds im Reader und Spiegel Online als nahezu Live-Quelle, leider in der Schwerpunktsetzung zurecht als „Bildzeitung für Intellektuelle“ beschimpft, ca. alle drei Wochen dann wegen irgendeines interessanten Artikels oder zu viel Zeit auch als Print im nächsten Zeitschriftengeschäft.

Der Vergangenheit gehören für mich an Financial Times Deutschland, eine sehr magere Zeitung, Times, klasse, Guardian, sehr gut, Newsweek, Abonnement leider schon ausgelaufen.

Eigentlich würde ich hier gerne auch die anderen journalistischen Quellen angeben, die ich mindestens ebenso häufig, besonders über meinen Feed-Reader lese, die man aber eigentlich beim besten Willen nicht mehr unter Zeitungen subsummieren kann. Darunter die Newsfeeds vom Deutschlandfunk, bester Informationsradiosender, verschiedenen BR-Programmen, und eine ganze Reihe von Weblogs wie netzeitung, netzpolitik oder das kosmoblog, denen ich mittlerweile dasselbe Vertrauen entgegenbringe wie seriösen Zeitungen mit Redaktionen und Lektorat. Außen vor sind bei dieser Übersicht natürlich noch Fachzeitschriften und ähnliches.

Und da ich jetzt die ganze Zeit von meinem Feedreader erzählt habe, der mir das Leben enorm erleichtert und nebenbei auch die Quelle meiner „Rechts-unten-Rubrik“ „Webfundstücke“ ist, erwähne ich auch noch kurz, dass ich nach einiger Probiererei den Googlereader verwende, warne aber gleich, dass dieses gute Stück Websoftware neben ein paar wirklich positiven Alleinstellungsmerkmalen, immer noch keine Suchfunktion hat. Obwohl von Google.

Jetzt wisst ihr alles. Alles? Naja, nicht ganz alles, aber alle Medien, die ich gerne auch weiterempfehlen würde und die Basisinformationsquellen, die ich so habe, die kennt ihr.

Diese Woche sind mir immer mal wieder Kuriositäten oder ganz toller Ereignisse in die Arme gelaufen, über die ich aus Zeitmangel leider nicht direkt etwas auf Freiheitsfreund schreiben konnte. Tagsüber Experimentieren, abends Politik. Mal sehen. Sollte ich das heute hinbekommen, dann gibt es ein paar mehr Beiträge vom 04.08.07.