Theseus, rette Europa, mit unseren Millionen

Theseus und der Minotaurus, Public Domain, Verfügbar unter http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Minotaur.jpgNoch einmal zum Thema Suchmaschinen: Aktuell berichtet die c’t aus dem heise-Verlag unter dem Titel „Leuchtturm entschleiert“ über neues vom Projekt „Theseus„, Vorbild der Minotaurus-Mörder. Es ist der vorläufige Gipfel des merkwürdigen Projektes Quaero, das vom französischen und deutschen Staat gegründet wurde, um eine „Google-Vormachtstellung“ im Bereich der Suchmaschinen ein „europäisches“ Gegengewicht entgegenzusetzten.

Die französischen Ängste vor „amerkanischem Kulturimperialismus“, zugespitzt in einer nationalen Empörung über die Online-Verfügbarmachung der Werke großer französischer Schriftsteller aufgrund der Indizierung von Büchern durch Google, die sich in der Bibliothek der Stanford-Universität befinden, scheinen nicht ganz fruchtlos geblieben zu sein. Exalead ist das erste Baby der Bemühungen. Eine Staatssuchmaschine also.

Braucht das die Welt? Gegen Monopole bin ich ebenfalls misstrauisch, besonders gegen Wissensmonopole, aber warum muss in diesen Markt der Staat aus kindischem Beleidigtsein nun auch noch eindringen, dem großen, fatalen und Quaero erschreckend ähnlichen Vorbild EADS folgend nun ein semantisches Suchmaschinenmonster heranzüchten, das unter dem Namen Theseus und unter dem Deckmantel eines Forschungsprojektes den vorhandenen, wirtschaftlich arbeitenden Suchmaschinen Konkurrenz machen soll?

Das war zumindest die offen geäußerte Motivation des französischen Staates für das vor der Trennung und Gründung von Theseus gemeinsam forcierte Projekt Quaero. Ich erinnere nur mal daran, dass Google, wie hier schonmal erwähnt, das Ergebnis eine Uni-Ausgründung ist. So etwas bekommen wir alten grauhaarigen Europäer wohl nicht hin?

Stattdessen wird eine Reihe von 22 Partnern des Theseus-Projektes stolz vorgestellt, die ohne Ausschreibung mit Bundesmillionen (180 Mio. werden genannt) gefördert werden sollen. Zu meiner Betrübnis waren diejenigen, die sich darüber verwundert zeigten einmal mehr nicht die FDP-Fraktion, sondern die Grünen, die bei solchen Themen häufiger auf Zack zu sein scheinen und immerhin eine Anfrage (pdf) im Bundestag gestellt haben. Unter den Projektbeteiligten findet sich übrigens zu meiner Überraschung auch meine Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Außerdem:

  • Deutsche Nationalbibliothek
  • Deutsche Thomson OHG (DTO)
  • Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz
  • empolis GmbH
  • Festo AG
  • Fraunhofer Gesellschaft
  • FAU Erlangen-Nürnberg
  • FZI Forschungszentrum Informatik
  • Institut für Rundfunktechnik GmbH (IRT)
  • Intelligent views GmbH
  • Ludwig Maximilians Universität München (LMU)
  • Lycos Europe
  • m2any GmbH
  • moresophy GmbH
  • ontoprise GmbH
  • Siemens AG
  • SAP AG
  • TU Darmstadt
  • TU Dresden
  • TU München
  • TH Karlsruhe
  • Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau e.V. (VDMA)

Forschungsförderung lohnt sich. Aber das hier scheint doch eine eindeutig andere Motivation zu haben. Sobald eine Technologie sich aus der Grundlagenforschung entfernt sind Steuergelder fehl am Platze, eine Ausgründung steht an, wie es bei Google gemacht wurde, wovon die University of Stanford als Anteilseigner übrigens bis heute profitiert. Stattdessen werden hier Steuermillionen aus Trotz verpulvert. Ich kann mich des Eindrucks der großkoalitionären Vetternwirtschaft einmal mehr nicht erwehren.