Kosmoblog schließt die Pforten

Das Kosmoblog, eines der profiliertesten politischen Weblogs, das sich von Anfang an in meinem Feedreader befand, schließt seine Pforten. Sehr schade. Sein Autor hat in Zukunft keine Zeit mehr, regelmäßig die gewohnt fundierten und interessant zu lesenden Kommentere zur internationalen und zur deutschen Außenpolitik zu bloggen. Ulrich Speck, der sich sympathischerweise im Abschiedsbrief selbst beschreibt mit den Worten:

… als “liberal” bezeichnen, was keineswegs mit “neutral” zu übersetzen ist. Was mich zum Liberalen gemacht hat, ist insbesondere meine Beschäftigung mit der deutschen Geschichte, auch der Geschichte des Liberalismus in Deutschland.

Dann werde ich mich wohl mal auf die Suche machen müssen, einen adäquaten Ersatz insbesondere für seine interessanten Lektürehinweise zu finden. Hat irgendjemand Tipps? Wenn es um interkulturelle Betrachtungen Deutschlands geht, gibt es immerhin noch den Kommentator Jörg Lau. Aber Speck hat in seinem Fazit zur Behandlung der Außenpolitik in den deutschen Medien meiner Ansicht nach Recht:

Die Rückmeldungen in Bezug auf Kosmoblog waren zahlreich, und sie waren höchst ermutigend. Außenpolitik ist noch immer ein Stiefkind in der deutschen Medienlandschaft. Eine außenpolitische Kultur, die der deutschen Rolle in der Welt angemessen ist, hat sich bislang nur in Ansätzen entwickelt. Die vielen Rückmeldungen, die Kosmoblog auch aus professionell mit Außenpolitik befassten Kreisen erhalten hat, machten deutlich, dass ein Bedarf an Informationen und Debatte besteht, der bislang nur unzureichend befriedigt wird. Kosmoblog konnte offenbar hier einen bescheidenen Beitrag leisten.

Ein kluger und auch hinsichtlich der Reflektionen über den Wirkungskreis von Weblogs interessant zu lesender letzter Blogbeitrag. Specks Fokus und seine Analyse, die internationale Ausweitung einer Zone der „liberalen Stabilität“ wäre der Königsweg einer vernünftigen und zweckmäßigen Außenpolitik mundet Freiheitsfreund und es soll hier nicht wie eine Grabrede klingen, aber dass es in Zukunft das Kosmoblog nicht mehr gibt, schlägt aus meiner Sicht den Zeitblogs schon sehr ins Kontor. Nundenn. Weblogs sind schnelllebig und das Kosmoblog landet dann wohl jetzt auf dem Blogfriedhof. Aber vielleicht macht sich die Redaktion ja auf die Suche nach einem wie auch immer gearteten Nachfolgeorgan?

Herrn Speck ist jedenfalls für seinen weiteren beruflichen Weg, hoffentlich klingt das nicht zu lebensläuflerisch, alles Gute zu wünschen!

Ach ja. Da gibt es da ja noch Flatworld beim Tagesspiegel. Für mich aber kein wirklicher Ersatz für das Kosmoblog, auch die dort anlässlich Kosmos Ende von Clemens Wergin genannten „Transatlantischen Blogs“ leider nicht, die zu viel zu oft viel zu stark fokussieren und dabei immer wenn es geht, den nötigen Überblick verlieren. Leider.