Öffentlich-rechtliche Geschichtsklitterung

Hin und wieder schalte ich mehr oder weniger ausversehen und meistens nur sehr kurz den MDR im Fernsehen ein. In solchen Momenten fallen mir dann prompt diejenigen Bekannten und Kommilitonen ein, die den Fernseher und die GEZ-Trupps zum Fenster herausgeworfen haben und soviel Courage besitzen, ohne diese Kiste auszukommen. Da ich öfter über den bayerischen Staatsfunk lästere und ab und zu auch mal neidvoll zum WDR blicke, der zumindest ein paar journalistische Leuchttürme wie Frank Plasberg auf der Gehaltsliste hat, weise ich gerne darauf hin, was Die Zeit unter dem Titel „Rosa-rote Scheinwelt“ über den ostdeutschen Rundfunksender MDR zu berichten weiß, obwohl der Geruch dessen Programms wohl auch vorher schon niemandem entgangen sein kann:

Alljährlich werden wir im deutschen Fernsehen und anschließend auf dem Büchermarkt mit neuen Erkenntnissen über Hitlers Frauen, Hunde und irgendwann wohl auch seine Topfpflanzen beehrt. Offenbar beflügelt durch die Erfolge Guido Knopps beglückt auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) seine vorwiegend ostdeutschen Zuschauer mit ähnlich stilsicheren Dokumentationen über die DDR: „Wo der Osten Urlaub machte“, „Lotte Ulbricht privat“ oder „Sex im Sozialismus. Pornografie made in GDR“.

Im Windschatten dieser MDR-Trivialhistory segelt ein ostdeutscher Verlag auf der Ostalgiewelle und produziert dabei ziemlich trübes Wasser. Das Zentrum dieser Geschichtswerkstatt der anderen Art ist Berlin, der Haus- und Hofverlag die in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe erscheinende edition ost. […]

Diese trivialisierende Schönfärberei innerdeutscher Vergangenheit erinnert mich irgendwie nochmal daran, wie alleine in den letzten Wochen der derzeitige „demokratische“ Sozialistenboss Oskar Lafontaine ohne Skrupel seine politische Zuneigung zu Chávez, dem venezolanischen Sozialistenführer von sich gibt, der sich nach der Verstaatlichung einer ganzen Reihe von Industriebetrieben nun damit beschäftigt, eine lebenslängliche Amtsdauer zu sichern und nebenbei noch so dreist ist, dem besonders überregional noch nie sehr feinfühligen londoner Bürgermeister Ken Livingstone das Angebot zu unterbreiten, aus den gestohlenen Petrodollars für eine Gegenleistung einen Zuschuss für die Nahverkehrstickets bedürftiger Londoner zu gönnen.

L’histoire est un mensonge que personne ne conteste“ [dt: Geschichte ist eine Lüge, auf die man sich geeinigt hat.] – Napoléon Bonaparte