Ehren-senft nur noch vor sich hin

Ehrensenf, Anagramm und harterkämpfte deutschsprachige Nachfolgeavantgarde des klassischen, angestaubten Mediums Fernsehen, beging Selbstmord mit dem Weggang von Katrin Bauerfeind, seiner Ankerfrau und Chrarakterfigur, den ich an dieser Stelle zum gegebenen Zeitpunkt bereits bedauerte. Nun weist Bloggosphärenoberguru Don auf Blogbar auf den tatsächlich absteigenden Ast hin, auf dem das „Internet-TV“ sich laut Alexa auch quantifizierbar befindet, (selbst wenn die Alexa-Statistiken unter dem guten alten Internetproblem hundsmiserabler und unzuverlässiger Zahlen leiden) seit der eigentlich geborene Schreiberling und eine neue Praktikantin die Moderation dahinbrabbeln. Deren Namen sind mir trotz bemühter Wortspiele beider Protagonisten schon wieder entfallen. Es scheint also nicht nur mein persönlicher Geschmack zu sein, demnach Ehrensenf in dieser Konstellation den Grimme Online Award nicht ein drittes Mal verdient hätten. An sich ist das schade.

Frau Bauerfeind verdingt sich derweil nicht nur im angestaubten alten Medium „Fernsehen“, das aktuell ja mit Hype-Begriffen geradezu um sich wirft wie „High-Definition“, das einem die dermatologische Ferndiagnose via Kabelfernsehen erlaubt und „Riesen-Super-Überall-Breitbild“, Erpressung von Zuschauern mittels schwarzer Streifen, oder der Digitalisierung von allem, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Offensichtlich scheint die Langeweile angesichts der Alltäglichkeit bunter Bildschirme unerträglich, so unerträglich, dass derartige Spielereien nötig ist. Ich halte mich mal zurück und unterstelle nicht, dass technische Innovation hier inhaltlichen Krebsgang kompensieren soll.

Ihren persönlichen Stil konsequent fortentwickelnd hat Katrin Bauerfeind gerade am 25. August auf dem Kulturkanal 3sat gezeigt, was sie durch die Konzentration auf das gesprochene Wort in nüchtern-schlichtem schwarz-weiß zu bieten hat. Stummfilmschauspieler versagten reihenweise kläglich, als der Ton die Leinwand eroberte. Vielleicht ist für sie ja der umgekehrte Kausalschluss das richtige Credo, die Stärken auch weiterhin auszuspielen. Katrin Bauernfeind moderierte gerade die Jubiläumssendung „Televisionen in schwarz-weiß“ anlässlich 40 Jahren Farbfernsehen. Die Anmoderationen gibt es auf den Seiten von 3sat zum Nachsehen, eine Kritik beim Spiegel. „Gute Besetzung“, maße ich mir an, zu urteilen. Mal sehen, wie sie sich als Übergangsmoderatorin von Polylux schlägt, wenn Tita von Hardenberg in Schwangerschaftspause weilt.