Ich wär so gern ein … Lokomotivführer

Immer offensichtlicher wird, dass die eigentliche strukturelle Schwäche der Deutschen Bahn nicht das marode Schienensystem ist. Es sind die marodierenden Mitarbeiter. Zumindest diejenigen unter den Mitarbeitern, die sich der (Arbeits-)Kampforganisation GDL angeschlossen haben.

Sie streiken… und streiken… und streiken. Warum? Weil die Lokführer mit ihren durchschnittlich 2100 Euro im Monat nicht zufrieden sind und mehr Kohle wollen. 30% mehr. Nicht nur die von der Bahn angebotenen 10%. Jetzt wird doch tatsächlich mit dem chaotischen, steuergeldvernichtenden, französischen Bahnsaftladen verglichen. Die dortigen Streikgewohnheiten sind uns ja aus den Medien bekannt.

Herr Bsirske, das ist derjenige, der in diesem Fall eigentlich nicht zuständig wäre, der gerade erst mit sozialistischem Ergebnis als Verdi-Chef bestätigte Obergewerkschafter, dieser Herr Bsirske stellt sich hin und schimpfte vor einigen Tagen in den Tagesthemen, dass Gerichte sich erdreisteten, Grenzen für Streiks zu setzen? Ich verstehe nicht ganz, wie das Verhältnismäßigkeitsgebot bei Streiks außerkraft gesetzt werden sollte. Abgesehen davon, dass die GDL immer noch Bsirskes damaliger Meinung ist, hat dieser wohl mittlerweile erkannt, sich mit den Falschen verbündet zu haben und distanzierte sich heute von der GDL, indem er diese aufforderte, nicht „die Arbeitnehmerschaft zu spalten“.

Und ein paar Blogger haben schon die Rechnungen übernommen, wie wenig eine Erhöhung um 30% denn sei, manche daraus ableitend, dass das doch wirklich kein Problem sei und Herr Mehdorn endlich nachgeben soll. Dass die Erhöhung der Managergehälter der DB angesichts des Zustands des Unternehmens überhöht scheinen, da stimme ich zu, daraus aber abzuleiten, dass die endlich mal ein bisschen einsetzenden Effizienzsteigerungen in abstruse Lohnsteigerungen umgesetzt werden müssten, das verstehe, wer will. Verantwortung in ihrem Job tragen alle möglichen Angestellten. Vielleicht führt ja die Kollegenschaft alter Beamten bei der Bahn zu derartigen Forderungen, wenn sich die Kollegen gegenseitig ihre zukünftigen Pensionen vorrechnen? Andererseits ist das nur einmal mehr, genauso wie die Möglichkeit, die Beamten gegen die Angestellten im Streikfall „auszuspielen“, ein Argument, die Bahn endlich komplett zu privatisieren.

Ich lasse mich jetzt mal nicht über die unfreundlichen, inkompetenten, notorisch zu späten und immerzu arbeitswütigen Mitarbeiter der Deutschen Bahn aus, mit denen ich in den letzten Wochen und Monaten zu tun hatte, von ganz ganz wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen. Auch nicht über die Deutsche Bahn, die sich ihr „AG“ noch immer nicht verdient hat und in allen Strukturen außer vielleicht dem einen oder anderen aktualisierten Design und zusammengestrichenen Bahnhof mit jedem behäbigen, ineffizienten und servicefernen Staatskoloss mithalten kann.

Heute jedenfalls habe ich mal wieder erleben dürfen, was man bei der Bahn so erleben kann, wenn man 25 Kilometer zurückzulegen gewillt war. Auf meinem diesmonatigen Bahnfahr-Verspätungskonto macht das bisschen von heute allerdings tatsächlich nicht so viel aus. Im Vergleich zu meinen fast durchweg positiven Erfahrungen mit der oft geschmähten, weil angeblich so unpünktlichen, weil privatisierten, British Railway, ist es eine Unverschämtheit, für so etwas auch noch Geld zu verlangen.