AKW-Energie-Propaganda

Bild vom Kernkraftwerk Isar 2 unter Gnu Free Documentation LicenceIch hatte mich eigentlich auf eine spannende und informative Führung durchs Isar-Kernkraftwerk gefreut. Gesehen habe ich eine Menge, aber die Informationen, die dort zu bekommen sind, stehen besser im Internet. Die Werbung erst, die uns verteilt wurde, war genauso bodenlose Propaganda, wie ich sie von den Erneuerbare-Energien-Konzernen schon kenne. Jedenfalls frage ich mich schon ein bisschen, warum da nur glückliche Kühe auf grünen Weiden zu sehen waren statt Fakten, die überzeugen. Vielleicht bin ich diesbezüglich ja ein bisschen verwöhnt, ich hätte mir jedenfalls eine Führung gewünscht, die nicht von einem Pressebeauftragten gehalten wird.

Dass wir als normale Besuchergruppe nicht in den eigentlichen Reaktorraum kommen konnten, war angesichts der sehr hohen Sicherheitsanforderungen abzusehen, obwohl ich das vom Forschungsreaktor noch ganz anders kenne. Aber als Info für zukünftige Kraftwerksbesichtigungswillige sei angemerkt, dass man den Bus nur für das Besucherzentrum verlässt und die Reaktorgebäude nur per Überwachungskamera als Liveübertragung in dieses Zentrum erlebt. Dafür kann man dann Homer Simpson dabei zuschauen, wie er, sich im Kontrollzentrum räkelnd, seinen Donut verspeist. Ganz so gut recherchiert hatte ich die Simpsons eigentlich nicht eingeschätzt. Mein Respekt.

Dass ein Brennelementezwischenlager bei den Kraftwerken nur aufgrund des irrationalen, von Rot-Grün diktierten Transportstopps für Castor-Behälter gebaut wurde, löste bei mir zumindest mal wieder nur Kopfschütteln aus, als wir daran vorbei fuhren. Vielleicht brauchten Trittin und Co. einfach mal eine Auszeit. Wenn ich um die 50 wäre und mein Leben lang Züge blockiert hätte, dann wären meine Knochen auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Nach einem ellenlangen Vortrag, wie sicher die Kraftwerke sind und dass, wenn man nur genug Redundanzen einbaut, nichts schiefgehen könne… Nach der zehnten Betonung, alles am Kraftwerk sei Flugzeugeinschlagssicher… Nach den Schilderungen, wie viele Sicherheitschecks jeder kleine technische Schritt bei den Revisionen durchlaufen müsse und dass die Reaktoraufsicht in Bayern alle wichtigen Parameter der Kernkraftwerke live übertragen bekomme, durften wir dann auch noch Fragen stellen. Zwei davon habe ich mir erlaubt.

1. Hatte der Dozent darauf hingewiesen, welche Unsummen Isar I und II durch die regelmäßigen modernisierungen aufgrund der Anforderungen der Gesetzgeber verschlinge. Ich fragte einfach mal, wie lange sich die Reaktoren alles in allem bereits betriebswirtschaftlich amortisiert hätten. Schließlich gibt es Isar I seit 1977 und Isar II seit 1988. Antwort: Normalerweise amortisieren sich KKWs in 15 bis 18 Jahren. Nungut. Keine Antwort ist auch eine Antwort.

2. Hatte der Dozent sich mitleiderregend aufgeregt, wie detailliert alle sicherheitsrelevanten Vorgaben für die kleinsten Reparaturen an KKWs wären. Jeder Schritt müsse dokumentiert und gutachterlich abgesegnet werden. Ich fragte, was dann in Krümmel schiefgegangen sei und fügte schon verständnissvoll an, dass das Kraftwerk natürlich nicht von e.on, sondern von Vattenfall betrieben würde, aber doch mehr oder weniger dieselben rechtlichen Standards gelten. Seine Antwort: Nichts, aber wie das Ganze in der Presse kommuniziert worden sei, das sei schlimm und außerdem würde Sigmar Gabriel, der Bundesumweltminister jede Kleinigkeit kleinlich medientechnisch instrumentalisieren.

Da frage ich mich, wieso ganz plötzlich ein SPD-Umweltminister der große Anti-Atomkraft-Zampano spielen und unlautere Schienbeintritte austeilen sollte, der mit Trittin einen Grünen-Minister abgelöst hat, der wahrlich kein Freund der Atomkraft war, bei dem die von den Medien erst transportierten Schlampereien (siehe auch im Spiegel) aber in dieser Art nie an die Öffentlichkeit gekommen sind.

Ganz lustig wiederum war, dass die Veranstaltung gemeinsam mit JuLis und Junger Union stattfand, die den Löwenanteil der Organisationsarbeit übernahmen. Charakteristisch war denn auch der anschließende Besuch in Kloster Weltenburg bei Kehlheim bei gutem Bier und deftigem Essen. Ich weiß wieder, warum ich den JuLis und nicht der JU beigetreten bin. Die einen tun was sinnvolles, die anderen könnten auch ein sympathischer Kegelclub sein, nicht desinteressiert, aber mit dem man besser nicht über zuviel Politik diskutieren sollte. Programmatische Trägheit tarnt sich idealerweise konservativ. Links wie rechts. Unfair?