Müntefering verlässt den Dampfer

Der Lotse (Bismarck) verlässt das Schiff. Karrikatur von Sir John Tenniel (1820-1914) aus dem englischen Magazin ‘Punch’ vom 29.März 1890Erst wollte ich es nicht glauben. Aber es ist wahr: Franz Müntefering tritt zurück als Vizekanzler und Bundesarbeitsminister. An sich ist es etwas paradox, dem knorrigen SPD-Parteisoldaten nachzutrauern. Aber was kommt als nächstes? Beck als uneingeschränkter Alleinherrscher der SPD? Was geschieht mit der großen Koalition? Stellt Euch das mal vor: Merkel und Beck auf einer Pressekonferenz der Bundesregierung, wie beide aus „privaten Gründen“ das Scheitern der großen Koalition erklären.

Eines ist sicher. Merkel stehen mit Kurt Beck schwere Zeiten bevor. Noch schwerere als bisher. Über die große Stütze der sialkonservativen Regierung, ihren Außenminister Frank-Walter Steinmeier habe ich ja gerade erst meinem Unmut Luft gemacht. Wenn unsere Bundeskanzlerin „Mrs. Feelgood“ (Newsweek) ihre Macht der Richtlinienkompetenz in den nächsten Wochen nicht stärker ausspielt als in den vergangenen Monaten, dann sieht es für die Berliner Regierungskoalition tatsächlich noch schlechter aus als bisher schon.

Anlässlich der Selbstaufgabe der großen Koalition hier nochmal dein Rückblick. Am 1. Juli 2005 stellte der letzte Bundeskanzler, Gerhard Schröder, im Bundestag die Vertrauensfrage. Schröders politische Karriere endete nach der verlorenen Wahl. Müntefering machte weiter. Seine Ansprache zur Vertrauensfrage gibt es beim Bundestags-TV online, um sie sich noch einmal anzusehen.