Nobelpreisträger im Labor

Ich bin gespannt. Morgen und übermorgen werden gleich 2 Nobelpreisträger und einige zu erwartende Nobelpreisanwärter durch unsere Labore flanieren und sich ansehen, ob das, was wir machen ihnen gut genug gefällt, dass unsere Max-Planck-Forschungsgruppe für Optik ab nächstem Jahr zum Max-Planck-Institut erwachsen werden darf. Wenn man ehrlich ist, wir sind alle gespannt. Unter anderem haben sich angekündigt Charles H. Townes (Berkeley, NP 1964), Roy J. Glauber (Harvard, NP 2005), Anthony E. Siegman (Stanford, nanu, einer der grands monsieurs des Laser/Maser ist nicht auf der Wikipedia?), Peter Knight (Imperial College), Elisabeth Giacobino (CNRS) und einige mehr.

Man kann sich vielleicht vorstellen, was an unserem Institut in den letzten Tagen los war. Was, wenn einem von ihnen eine Frage zu unserem Versuch einfällt? Wird schon irgendwie klappen. Und wie oft kann man schon mit Nobelpreisträgern, gleich mehreren davon, zu Abend essen? Gut, Medaillen sind Schall und Rauch. Aber was auf der Liste der wissenschaftlichen Errungenschaften dieser Physiker steht, erzeugt schon ein bisschen Ehrfurcht. Auch Hochachtung, wenn man sich mal ansieht, in welchem Alter zumindest Townes und Glauber immer noch solche Aufgaben übernehmen.

Ein merkwürdiger Zufall, dass gerade in dieser Ausgabe des Magazins Max-Planck-Forschung der MPG ein Artikel erscheint „Erfolge abseits des Mainstreams“ (pdf). Darin analysieren zwei Autoren, zugegebenermaßen etwas positiv voreingenommen, die Erfolgsgeschichte der Max-Planck-Gesellschaft, der früheren Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Auch wissenschaftspolitisch lesenswert. Die Grundprinzipien der Max-Planck-Gesellschaft lassen sich dabei auf Subsidiarität, Interdisziplinarität und das Harnack-Prinzip zusammenfassen. Zitat:

„Die Subsidiarität bezieht sich auf eine Erweiterung der Perspektive gegenüber dem Mainstream, etwa mit Blick auf langfristig wirksame Forschugnsstrategien, die sich Universitätsforschung nicht immer leisten kann: So rührt die führende Rolle der MPG in der langfristig angelegten Gravitationswellenforschung nicht zuletzt daher, dass sie auf dieses Pferd setzte, als in den 1980er-Jahren anderswo keine Mittel dafür gab. […]

Charakteristisch ist ferner die Forschung in vielversprechenden Grenzgebieten, in denen die fruchtbaren Konflikte angesiedelt sind. […]

… Harnack-Prinzip, hier verstanden als Möglichkeit, neue wissenschaftliche Perspektiven in der Forschungsorganisation langfristig wirksam werden zu lassen, auch wenn dies ohne Risiken nicht gelingen kann.“

Der Artikel wird noch mit amüsanten Anekdoten gewürzt wie Plancks Erwägung von 1932 ein KWI zur Wünschelruten-Erdstrahlenforschung zu gründen, wurde zu Recht nicht gefolgt.“Wer hätte das vom Erfinder der Quantentheorie erwartet? Bei allem Splin, den man theoretischen Physikern, mehr oder weniger zurecht, nachsagen mag.

Mal sehen, ob die Jury der Meinung ist, unser Institut passt in dieses Konzept… Anfang nächsten Jahres steht dann die Entscheidung fest.