Stammzellgesetz: Nichts Ganzes und nichts Halbes

Die Verschiebung der Stammzell-Stichtagsfrist vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mail 2007 ist Todesstrafe auf Mord, aber nur, wenn der nach 8 Uhr stattgefunden hat. Nichts Ganzes und nichts Halbes. Die Diskussion im Bundestag war stellenweise frappierend von einer Angstargumentation geprägt, die andererseits in der Tat die Denkweise in der breiten Bevölkerung dominiert. Schon wenn ich mir die Meinung zum Thema in meinem FDP-Ortsverband ansehe.

Eine klare philosophisch-ethische Abwägung, wo die Grenzziehung Sinn macht ist nötig und sinnvoll. Das Ergebnis kann dann aber nur eine Ablehnung der Forschung an embryonalen Stammzellen sein, wie sie beispielsweise die katholische Kirche und fraktionsübergreifend einige Abgeordnete gefordert haben, oder eine Erlaubnis, wie in Großbritannien und wie sie auch die FDP im Bundestag vorgeschlagen hat.

Ich halte das zweite für sinnvoll. Selbst wenn man argumentieren mag, dass die großartigen Ergebnisse dieser Forschung vorerst auf sich warten lassen. Wenn man die übersteigerte Erwartungshaltung von Politik und Mainstream-Medien als Maßstab anlegt; das wäre kein Argument gegen eine Freigabe.

Aber selbst eine, zu guter Recht, für die Bevölkerung repräsentative Entscheidung unserer Bundestagsabgeordneten gegen eine Freigabe der Forschung hätte ich akzeptiert. Es wäre ja nur eine Ablehung eines Forschungsbereichs für den Standort Deutschland, glücklicherweise nicht weltweit.
Die mit der heutigen Verschiebung nur bestätigte Stichtagsregelung muss mir allerdings erst nochmal jemand erklären. Ich erkenne den Sinn nicht, den ich von jedem Gesetz erwarte, das wir in unserem Land erlassen.

Es wirkt doch mal wieder sehr wie die herbeilawierte Ausrede inkompetenter Entscheidungsschwacher Repräsentanten in zu großen Stiefeln.