„Wie die FDP sich selbst im Weg steht“

Einen sehr interessanten Artikel „Wie die FDP sich selbst im Weg steht“ schreibt Thomas Schmid in der Welt. Er versucht das Verhältnis der liberalen Partei zu sich selbst und das zur deutschen Gesellschaft vor dem Hintergrund 60-jähriger gemeinsamer Geschichte zu analysieren:

[Die Deutschen] mögen die Liberalen nicht, ja sie verachten sie im Grunde, egal, was die Liberalen gerade tun. Sie mögen sie nicht, weil sie oft genug die Freiheit nicht für etwas Schönes und Erstrebenswertes, sondern für etwas Frivoles und Gefährliches halten. …

Dabei ist er den liberalen Ideen und sogar der FDP-Programmatik nicht abgeneigt. Er meint:

Es heißt, eine liberale Partei habe es schwer, weil die Gesellschaft längst liberal sei. Man muss sich nur in unsere Fußgängerzonen, Kinos, Schulen, Universitäten begeben, muss sich nur bei CDU, SPD und Grünen umschauen, um zu merken, dass das ganz und gar nicht stimmt. Es gibt einen riesigen Bedarf an neuer Bürgerlichkeit, an Bürgersinn und dem Willen, die Welt nicht den Kollektiven zu überlassen.

Richtig. „Unsere Gesellschaft ist eh schon liberal, die FDP ist als Partei längst überflüssig“ ist ein Argument, das man als Liberaler häufig hört. Besonders von Sozialisten und Konservativen, nicht notwendigerweise Parteisozialisten oder Parteikonservativen, aber doch solchen, die gerne träumen, von kollektivem Eigentum ohne Verantwortlichkeit oder kollektiver Leitkultur ohne Meinungsvielfalt. Eigentlich meinen die ansonsten ganz normalen Bürger, die diese Meinung äußern dann meistens „viel zu liberal“. „Neoliberal“ (wi, fnst), „marktradikal“, „heuschreckenliberal“ was auch immer man sich als Schreckgespenst einer freien und auf das Individuum und dessen Möglichkeiten und freie Entfaltung abzielenden Politik in seinen kühnen Träumen vorstellen mag.