Warum Webbrowser nicht zum Drucken taugen?

Mal etwas völlig Irrelevantes und Beiläufiges. Trotzdem summiert sich mein Unverständnis über den Missstand immer wieder. Ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, dem weit verbreiteten Webbrowser Firefox, dessen wichtigste Stärke die Erweiterbarkeit durch Pugins der Nutzergemeinde ist, eine vernünftige Engine für die Druckversion von Websiten zu spendieren? Immer mehr, oft qualitativ hochwertige umfangreichere Inhalte gibt es im Netz. Sinnvollerweise sehr viele davon nicht einfach als PDF-Datei, sondern als HTML, dem prädestinierten Format für Netzinhalte, mehr und mehr mit dem endlich erreichten Abdanken von HTML-Tabellen als ultimatives Designelement der letzten Internetkultur-Dekaden auch halbwegs semantisch korrektes XHTML, logischem Markup.

Wenn es dann aber darum geht, einen, beispielsweise Wikipedia-Artikel oder ein Vorlesungsskript oder was auch immer auszudrucken, dann ist das Druckbild im Vergleich zu jedem ernstzunehmenden Buch mehr als bescheiden. Und das, obwohl man wohl mittlerweile mit Netztexten genauso viel Zeit verbringt wie mit Büchern. Nicht einmal Umbrüche gibt es. Und ich rede hier nur von Websites, die überhaupt eine vernünftige CSS-basierte Druckversion für den Webbrowser anbieten. So etwas macht noch weniger Spaß zu lesen als schon der typographische Schund, den Microsoft Word (zumindest das kostenlose Programm Typotools sollte man da mal ausprobieren) überall auf der Welt verstreut hat.

Immerhin gibt es beispielsweise wissenschaftliche Paper immer noch per Link in einer auf Papier ohne Augenmuskelkater lesbaren PDF-Version zum Download. Diese ist aber nichts anderes, als, HTML oder LaTeX spielt dabei überhaupt keine Rolle, wenn korrektes HTML, da beides problemlos ineinander umwandelbar, ein mit dem qualitativ hochwertigen, überall kostenlos verfügbaren LaTeX-Paket mit einem Klick kompiliertes, menschenlesbares Quellcodedokument in PDF-Ausgabeform.

Kennt nicht irgendjemand ein Firefox-Plugin, das genau das mit jeder Website anstellt, die man so angezeigt bekommt? HTML-Quelltext nehmen, ohne das der Benutzer irgendwie davon berührt wird, in LaTeX umwandeln, das ohnehin installierte LaTeX-Paket im Hintergrund dazu verwenden, den Code schnell zu kompilieren, das entstandene PDF anzuzeigen und evtl. zu drucken? Wäre großartig!

Ein Riesenfortschritt, auch hier wenigstens das typographische Niveau von 1970 einziehen zu lassen… dann könnte man sich ja über solche Kleinigkeiten noch unterhalten, dass dieses Pluginlein automatisch den beispielsweise auf der Wikipedia ohnehin für Formeln eingegebenen LaTeX-Code (WikiTeX) statt der hässlichen aber üblichen kleinen Pixelbilderchen für den Druck herzunehmen… etc. etc.

Ach ja. Ich weiß schon wieder das entscheidende Gegenargument, das jetzt kommt: Wer ließt denn auf Papier. Am Bildschirm wird das Zeug doch eh so angezeigt und ausdrucken muss doch sowieso niemand. Das ist wohl der Grund, warum alle mir bekannten Browser so hässliche Ausgaben auf Paper produzieren. Ignoranz dafür, dass jeder, der halbwegs lange Texte bearbeiten muss, die nicht von ihrer Hypertextintegrität leben, diese selbstverständlich auf Holz druckt.