ARD und ZDF: Expansionsdrang, Lobbying und Politikercasting

Jörg zitiert in einem Artikel über den gebührenfinanzierten Expansionsdrang der Öffentlich-Rechtlichen ein sehr ermutigendes Wort Norbert Lammerts: „Das Parlament finde bei ARD und ZDF, jedenfalls auf den Hauptkanälen, nicht mehr statt. Vielmehr habe man Phoenix geschaffen, um den Bundestag dahin abzuschieben. ‚Im Ersten‘ und im ‚ZDF‘ wird das private Programmangebot vom Niveau her nachgeahmt oder sogar zu unterboten.

Fifi berichtet über ein laut Welt vom ZDF geplantes Nachwuchspolitiker-Casting à la DSDS et cetera. Und da ich das Bildzeitungs-Artikel-Recyclings-Organ die Welt zwar nicht schätze, dem ZDF aber mittlerweile alles zutraue, musste ich schon sehr schlucken, als ich das gehört habe.

Passt da irgend etwas zusammen? Mal abgesehen davon, das mal wieder eine thematische Welle durch die von mir konsumierten Medien schwappt…

  1. Die Öffentlich Rechtlichen haben keinerlei gesunden Realitätsbezug mehr.
  2. Es existieren noch ein paar Politiker, die solchen haben und sogar solche, die die Öffentlich Rechtlichen kritisieren, gar das ZDF abschaffen wollen?
  3. Werbeagentur geschnappt, Kampagne in Partei-Blättern losgetreten. Versuchen wir halt, die Deppen in diesen Parteien erstmal zu überzeugen.
  4. Und jetzt auch noch 4. Wenn die partout nicht wollen, die jetzt noch politischen Einfluss haben, dann backen wir uns halt unsere eigenen „Politiker“.
  5. Wenn ich mir so Anne Will in den letzten Folgen vor Augen führe (die Sendung, nicht die Person) und anschaue, welche drittklassigen Hinterbänkler dort nur noch ihren Senf zum aktuellen Weltgeschehen von sich geben, dann ist das natürlich nur im Sinne der Strategie zweiter Teil: Suggeriert den Bürgern erstmal, wie schlecht die bestehende Politikerriege eigentlich ist.

Politikercasting: Diejenigen, die sich in unserem Land Politiker schimpfen sind alles andere als Ideal. Aber unser politisches System erwartet vom einzelnen Bürger ein mindestmaß an bürgerschaftlichem Engagement.

Lobbying: Die lobbyistische Tätigkeit der Öffentlich-Rechtlichen, die durch die Politik eigentlich kontrolliert werden sollten, schließlich sind sie gebührenfinanziert, schlägt meiner Ansicht nach immer mehr dem Fass den Boden aus. Mal ganz abgesehen, dass das Parlament ja laut Rechtslage angeblich noch nicht einmal mehr das Recht haben soll, den raffgierigen Öffentlich Rechtlichen finanzielle Schranken zu setzen, die ihren Finanzbedarf einfach mal immer selbst festlegen dürfen.

Expansionsdrang und GEZ: Ich erinnere daran, dass 2005 die Länder so mutig waren, gegen den GEZ-Gebührenerhöhungsantrag der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) Einspruch einzulegen. Die Öffentlich Rechtlichen gewannen aber ihre Verfassungsklage gegen diese „Einmischung“ der Politik.

Kurt Beck findet’s toll: Ach ja. Und in der aktuellen Zeit lese ich gestern ein Interview, selbstzitiert in einem Zeit-Artikel „Beck will ARD und ZDF stärken„, in dem sich der SPD-Chef Kurt Beck doch tatsächlich für ein verstärktes Engagement und eine „vernünftige“ Finanzierung der Öffentlich Rechtlichen im Internet ausspricht. Gehts noch? Ist das etwa das Ergebnis des unverhohlenen Lobbyismus von ARD und ZDF? Zurecht murren sogar die ansonsten oft genug über die neuen Medien lästernden privaten Medienanbieter von Spiegel über Zeit und Bild bis zu den privaten Fernsehsendern, dass das eine Marktverzerrung im Informationssegment im Netz darstelle.