Typographie: Die Qual der Wahl der Schriftart

Wenn man, wie ich, zu der Gruppe Menschen gehört, die sobald sie eine attraktive Buchhandlung erspähen darauf zulaufen, fahren oder was auch immer, falls sich noch fünf Minuten vom Terminplan abknapsen lassen, ungefähr so, wie es anderen mit Schuhgeschäften ergeht, der muss früher oder später erkennen, dass die Erfindung der Typographie einst eine ganz großartige Errungenschaft der Menschheit war.

Leider traten irgendwann Leute auf den Plan, die meinten, Typographie sei ohnehin völlig überflüssig und mit Programmen wie Microsoft Word, Open Office etc. zwar das Texteschreiben demokratisierten, anders als es aber beispielsweise das freie, aber nicht massenkompatible, daher nur in Wissenschafts- oder Publikationskreisen weit verbreitete Textsatzsystem LaTeX ermöglicht, nicht das Textsetzen. Inclusive der richtigen, lesbaren, ansprechenden Umbrüche, Schriftartwahl, korrekter Schritarteinstellungen für Kapitälchen, Serifen und vieler Feinheiten, die ein echtes Buch daher heute aus der trüben Masse der Tausenden täglich fabrizierten, inhaltlich sicher oft grandiosen, bedruckten Papiere hervorheben.

Und selbstverständlich gibt es auch Kriterien, die einem schön gesetzten Printprodukt in der Realität entgegenstehen. Ich erstelle die Antragsbücher zu JuLi-Kongressen auch nicht in XML-LaTeX-Varianten (wie beispielsweise dem spannenden ConTeXt), obwohl das bei unserem existierenden XML-Beschlussverwaltungssystem eine klasse und konsistente Sache wäre. Arbeitsabläufe müssen Demokratiekompatibel sein. D.h. ich vertrete die Ansicht, alle systematischen Änderungen müssen so ablaufen, dass jeder Nachfolger, der andere Neigungen hat, nicht aus seiner Sicht eine Wüste vorfindet. Für manche bedeutet das eben auch schon, dass Texte in Word gefertigt zu werden haben. Notfalls in Openoffice und dann als MS-Word-Datei gespeichert.

Zumindest als Anleitung für Normaluser zur Verwendung von Schriftarten bzw. Schriftschnitten hat das unter Typophilen ohnehin zur Pflichtlektüre gehörende „Fontblog“ gerade eine Hymne auf das Buch „Schriftwechsel“ verfasst. Die Screenshots machen was her. Allerdings der Preis auch. Mal sehen, wann ich mir das leiste(n kann). Für alle anderen hat Fontshop wichtige Corporate-Schriften in einer übersichlichen Tabelle kategorisiert, die es als PDF kostenlos zum Download gibt.

Und da ich mich der zweiten Gruppe zugehörig fühle, die weder einen Tausender für MS-Software, noch einen Hunderter für das großartige Schriftwechselbuch übrig haben, hier noch einganz ganz kurzer Hinweis auf Schätze unter den freien Schriftarten (unter verschiedenen Lizenzen veröffentlicht… bitte beachten). Ich hatte mal vor ein paar mehr davon in einer übersichtlichen Tabelle darzustellen, aber das muss noch ein wenig warten: