Ein Wort zum Konstruktivismus

Mal was neues. Manchmal sind 140 Twitter-Zeichen zu wenig. Selten, wenn es um Ideen geht, die durch den Raum schwirren und mal eben kurz zwischen den Zeilen einen Platz suchen. Dann gehen sie aber oft eh niemanden was an. Wenn es allerdings um Zitate geht, dann kann man sie nicht vernünftig in 140 Zeichen gießen. Zumindest gilt das für diejenigen Texte, die ich meistens lese. Mal sehen, wie oft ihr hier in Zukunft derartiges zu lesen bekommt. Wäre jedenfalls schöner als Freiheitsfreund nur noch als 140-Zeichen-Nachrichten-Archiv.

„Die von Rawls entwickelte, den traditionellen Kontraktualismus methodologisch verfeinernde Theoriekonzeption ist konstruktivistischer Natur. Konstruktivisten erblicken die Aufgabe der politischen Philosophie in der problemgerechten Explikation und Ausdeutung der normativen Orientierungen, der moralisch-rechtlichen Grammatik unseres politischen Selbstverständnisses. Dabei entwickeln sie eine erstaunliche argumentationslogische Phantasie. Denn da kein subsumtionslogisch gerader Weg vom Allgemeinen zum Besonderen führt, muß die Deduktion durch Konstruktion, Explikation und Interpretation ersetzt werden.“

Ich finde, ein bemerkenswert treffender Absatz, den Wolfgang Kersting da in seiner Einführung zu John Rawls auf Seite 20 schreibt. Würde man den zweiten Satz in allgemeinverständliche, weniger schermütig-fremdwortlastige Worte kleiden, könnte man damit sogar in der Wikipedia das Basisdillema des Konstruktivismus begründen, das im letzten Satz des Absatzes treffend auf den Punkt gebracht wird.

Und zu meiner Kritik der Ausdruckform für Kerstings kluge Worte noch ein Zitat eines Altmeisters der Philosophie in deutscher Sprache, Immanuel Kant:

„Übrigens habe ich wegen der lateinischen Ausdrücke, die statt der gleichbedeutenden deutschen wider den Geschmack der guten Schreibart eingeflossen sind, […] zur Entschuldigung anzuführen: dass ich lieber etwas der Zierlichkeit der Sprache habe entziehen als den [philosophischen] Schulgebrauch durch die mindeste Unverständlichkeit erschweren wollen.“ (via)