Eindrücke und Bilder vom Freiheitskongress der FDP in Berlin

Guido Westerwelles Rede
Der Freiheitskongress fand am 2. Oktober 2010 im bcc in Berlin statt. Er soll den Auftakt der Debatte für ein neues FDP-Grundsatzprogramm bilden. Eine Debatte, die anschließend auch im Internet geführt werden soll. Auf dem Kongress selbst hielten Generalsekretär Christian Lindner und Parteivorsitzender Guido Westerwelle Auftaktreden, die durch Impulsreden von externen Referenten ergänzt wurden. Nicht zu wenig Pathos durfte auch versprüht werden.

In verschiedenen Panel-Diskussionen suchte die FDP dabei noch einmal in einzelnen Themengebieten externen Input von Gästen wie Wolfgang Clement, Volker Gerhardt, Carl Christian von Weizäcker oder Richard David Precht. 1000 angemeldete Teilnehmer sind eine Zahl, die sich sehen lassen kann.

Ein guter Einstieg. Ein wenig mehr Tiefgang kann aber ruhig noch kommen.Mein persönlicher Eindruck von der Diskussion entspricht dabei nicht ganz dem, den der Spiegel in seiner Zusammenfassung darstellt „Das Ende der Ichlinge„, in Anspielung auf die Rede Horst Opaschowskis mit seinem nahezu gleichnamigen Buch, das ich übrigens auf dem Kongress kostenlos bekommen habe und das mich auf der Rückfahrt dann doch leicht enttäuscht hat. Entgegen der steilen These, die der Spiegel bei ungenauem Lesen suggeriert „…und setzt dabei ausgerechnet auch auf links angehauchte Zeitgenossen…“ waren die externen Teilnehmer des Kongresses bunt durch das gesamte Spektrum. Ähnlich aber auch die Qualität der Beiträge: Von sehr hörenswert bis eher amüsant.

Einige wirklich spannende Sätze waren allerdings definitiv auch dabei und ich finde ohnehin, Austausch mit klugen Meinungsbildnern außerhalb der Partei kann der FDP wie allen anderen Parteien nicht schaden. In sofern halte ich es für höchst lobenswert, dass die FDP sogar Menschen das Wort gibt, deren Gegenpart wohl auf einem Parteitag von CDU oder SPD undenkbar wären. Wie immer habe ich ein wenig aus dem Saal getwittert, was eigentlich einen ganz interessanten Überblick über die von mir eingefangenen Schnappschüsse bietet. Getwittert habe ich natürlich mal wieder nicht alleine. Die Vielfalt der Eindrücke erschließt sich demjenigen, der dem „offiziellen“ Hashtag #fdp2030 folgt.

Besonders interessant waren manche Reden übrigens, wenn einem als Liberalem auffällt, wie weit das Bild der FDP in der Öffentlichkeit manchmal von deren wahren Positionen ist. Gerade vor dem Hintergrund, dass ich gerade am Freitag erst, praktischerweise vor dem Parteitag in Berlin, im FDP-Bundesfachausschuss Bildung, Wissenschaft, Forschung, Technologie mit den Parteifreunden über das Für und Wider zum Thema Bildungsförderalismus diskutiert hatte. Richard David Precht, allseits bekannter, hochdotierter Profi-Medien-Redebeitrags-Lieferant, meinte so zum Beispiel, in seiner Rede seine Sympathie gegenüber der unterstellten Unterstützung der FDP für eine Zentralisierung des Bildungssystems in Deutschland für, wie er meinte, mehr Qualität bekunden zu müssen. Eine Aussage, die so gar nicht in den Programmen der FDP zu finden ist. Vielmehr hatte die Diskussion am Freitag einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, wie deutlich die FDP sich mehrheitlich für einen, wenn auch vielleicht überarbeiteten, Föderalismus einsetzt.

Mein Eindruck war der, dass der Freiheitskongress eigentlich am ehesten mit einer anspruchsvolleren, sachlich interessanten Talkshow vergleichbar war. In einen Dialog kann man mit der Anzahl an Teilnehmern freilich nicht eintreten. Ein deutliches Signal, dass die FDP an eine explizit auch nach außen offenen Austausch interessiert ist war der Kongress dennoch. Und das war es wohl nicht nur als Imagepolitur in der Außendarstellung, sondern vielmehr auch als Zeichen an die eigenen FDP-Mitglieder auch schon wert. Wenn nun noch die folgende Debatte in den neuen Kernfragen der zukünftigen und aktuellen Politik liberale Antworten zu finden imstande ist, der Generationengerechtigkeit im Zeichen des demographischen Wandels, einem radikal veränderten Familienbild im Zeichen, laut Prof. Opaschowski, diese Problematik ein wenig verkennend zunehmender Orientierung zu mehr sozialer Sicherheit, der Notwendigkeit einer neuen Einordnung des Verhältnisses zwischen Mensch, Wirtschaft, Staat und Natur und einer Neuerfindung unseres demokratischen politischen Systems hin zu mehr Transparenz trotz Globalisierung und Kompetenzverlagerung an eine noch unreife Europäische Union.

Mein Fazit ist in der Bloggosphäre übrigens auch nicht das Einzige. Bereits fast schon traditionell war u.a. auch Jan Filter wieder mit von der Partie, der seine Gedanken in seinem Blog zusammengefasst hat. Nicht in jedem Satz ganz meine Meinung. Aber als Beitrag interessant.

Auch diesmal habe ich zwischendurch ein paar Fotos geschossen. Schade war nur, dass ich von dem Genossen von der Linkspartei, der die ehrenhafte Courage besaß, sich in die Höhle des Löwen zu wagen und auf dem Kongress vorbei zu schauen, nachdem ich ihn freundlich begrüßt hatte, leider kein Foto machen durfte. Kurz vor der Abfahrt habe ich dann doch noch einen Berufsostalgiker am Bahnsteig erwischt, der aus seiner politischen Einstellung weder akustisch noch flaggentechnisch einen Hehl machte. Ein passendes Kontrastprogramm.

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Die sehenswerte Eröffnungsrede des Generalsekretärs Christian Lindner:
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