Blut, Schweiß, Tränen: Verräter auf zwei Rädern

Alle Welt regt sich auf. Soo böse sind unsere Radrennfahrer. Alle gedopt. Nichts echt. Großer Schock.

Unsinn. Die das behaupten lügen sich in die Tasche. Aber vielleicht muss es so sein. In Wirklichkeit wollen wir doch alle keine Normalos in Stramplern auf Fahrrädern durch die Pyrénäen gurken sehen, sondern Ãœbermenschen. Wir kleinen Menschen wollen das in Echt sehen, was es sonst nur im Kino gibt! Natürlich „ahnen“ wir, dass das nicht echt ist. Eigentlich „weiß“ es jeder. Aber dieses Gefühl muss diffus bleiben. Es widerstrebt unseren Wertevorstellungen. Woher auch immer falls wir die haben.

Im alten Rom schaute man noch ganz schamlos zu, wie sich Menschen in der Arena abschlachteten. Sogar Jugendliche durften. Heute sind wir etwas besseres und niemand muss sich uns zuliebe zugrundedopen. Sauberer Sport ist das Zauberwort. Diese Suggestion gehört aber dazu. Wenn niemand verneinen würde, dass die Leistungen unserer Spitzensportler nicht die von natürlichen Menschen sind, wäre die Sache irgendwo weniger spannend. Ich persönlich hätte ja kein Problem damit. Die Radsportler wissen, worauf sie sich einlassen, so hart das klingen mag.

Zurecht bemerkt Eva:

„wenn wir im Radsport das Doping abschaffen, dann müssen wir auch alle Strecken ändern, weil niemand mehr die alten Rekorde erreichen wird. Wäre doch schade drum.“

Hm. Ich überlege gerade ob Blutdoping wohl in der guten alten Zeit, in den Geburtsjahren der Tour de France auch schon in war. Dann müsste man die Strecken wirklich ändern. Oder moderne elektrische Hilfsmotörchen an die Räder schrauben. In jedem Fall ist das Ganze traurig: Der Radsport wird langweilig. So lange jedenfalls, bis alle wieder vergessen haben, was in den Adern der Helden fließt. Radikales Fazit: Schafft die verlogene Dopingkontrolle ab.