Stiftung für die Freiheit?

Die Friedrich-Naumann-Stiftung. Die „liberale Stiftung“, die seit 1958 gute Arbeit damit leistet, kontinuierlich in Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt auf den Wert der Freiheit und des Liberalismus an sich aufmerksam zu machen und dabei auch das Internet ausgiebig zu nutzen, benannte sich am 25.04.07 um. Sogar eine große, ganzseitige Anzeige habe ich mit Erstaunen in der Wochenzeitung Zeit gesehen (leider kein Beweisfoto gemacht). Nun fragt man sich freilich warum?

Ist „Friedrich-Naumann-Stiftung“ in der Bevölkerung nicht aussagekräftig genug? Das Werk von Marketingfachleuten? Immerhin heißen die anderen großen politischen Stiftungen auch ganz einfach nach ihren Namensgebern Friedrich-Ebert-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung. Ist die Umbenennung ein Pünktchensymptom liberalen Abgrenzungswillens (F.D.P.) oder ist die Stiftung Trendsetter und in Kürze gibt es die „Friedrich-Ebert-Stiftung für den demokratischen Sozialismus“ und die „Konrad-Adenauer-Stiftung gegen Experimente“? In einem Interview mit Wolfgang Gerhard, die es als Zugabe der Pressemitteilung online gibt, erklärt dieser immerhin recht schlüssig:

Der Wechsel von »Stiftung für liberale Politik« zu »Stiftung für die Freiheit« soll also
pointierter ausdrücken, worauf die Stiftungsarbeit abzielt?
So ist es. Natürlich dient liberale Politik immer dem Wert der Freiheit, deshalb werden wir
auch weiterhin liberale Politik entwerfen – es ist aber sinnvoller, das Ziel der Stiftungsarbeit
zu betonen, als den Weg dorthin.

Immerhin, im Unterschied zu der anderen unübersehbaren Umbenennung der letzten Zeit, der der SED-Nachfolgepartei in die „Linke“, ist der Grund wohl nicht die gewollte Distanzierung zum bisherigen Namen und der damit verbundenen Tradition. Dafür wird wohl auch der noch recht frische (seit 2006), aber nicht unbekannte Stiftungsvorsitzende Wolfgang Gerhard sorgen und der Name Naumanns bleibt auch weiterhin Namensbestandteil der „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“.

Trotzdem wüsste ich eigentlich ganz gerne. Warum? Warum der Namenswechsel? Ein schönes Interview zum Thema hat der Leiter der Virtuellen Akademie der „Stiftung für die Freiheit“ (sehr empfehlenswert, kostenlose, fundierte Seminare online, gerade eines zum Thema Innere Sicherheit!) mit Dr. Wolfgang Gerhard geführt und dankenswerterweise auf Youtube gestellt.Interessante Fragen wie die nach seiner Definition von Freiheit und deren Prioritäten.

Ich bin gespannt, ob es solcher Videopodcasts in Zukunft von der Stiftung mehr geben wird. Immerhin akustisch gibt es zum Thema Rechtsextremismus noch einen Audiocast mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der bayerischen FDP-Vorsitzenden und früheren Bundesjustizministerin.