Spreu und Weizen der Bürgerrechtler

Tio’s in Erlangen - Werbung mit: Hier ist’s schon geil!Gerade vorhin kam ich von den JuLis Fürth zurück. Stammtisch in der Fürther Kaffeebohne. Diskussionen zur Kommunalpolitik, Schulpolitik und allem was dazu gehört, aber dabei bleibt es ja nicht lange, wenn man ein paar Liberale an einen Tisch setzt. Bei der JU habe ich das Gegenteil als Erfahrung eines Außenstehenden mitbekommen, es wird sich leicht mal im Kleinklein verzettelt. Die JuLis kommen manchmal ein bisschen schnell auf die „großen Linien“ zurück und bleiben dafür dann leider oft dem Wähler die Beantwortung ganz konkreter Fragen schuldig. Jedenfalls ging es dann noch um die Sicherheitspolitik und den (nicht nur) bayerischen Ãœberwachungswahn.

Auf der Heimfahrt dann, ohne dass das einen direkten Bezug zu einem der JuLis hätte, ist mir aufgefallen, dass der technische Fortschritt eine heilsame Wirkung entfalten kann, wenn er die Spreu vom Weizen trennt. Diejenigen, die unumstrittene Schritte auf dem Weg zur real gewordenen Sicherheitsutopie nur solange grundsätzlich ablehnen, wie diese Schritte mit einem zu hohen Aufwand (technokratisch gesehen) verbunden sind von denjenigen, die sich Gedanken um die zugrundeliegende Güterabwägung gemacht haben und eine grundlegende Position vertreten, die sich natürlich trotzdem den Umständen anpassen kann und lernfähig sein sollte.

Bei den ersteren (der Spreu der „Bürgerrechtler“) läuft das ganze auf eine rein betriebswirtschaftliche Abwägung hinaus, die bestenfalls die Kostenverantwortung des Staates gegenüber dem Bürger im Blick hat. Das bedeutet noch nicht einmal, dass diejenigen sofort laut klatschen, wenn der technische Fortschritt mit E-Mail-Ãœberwachung (die aufgrund der Abwälzung auf die Betreiber sogar für den Staat überproportional „kosten“-günstig ist), Kameras, etc. die Kosten der Ãœberwachungsmöglichkeiten senkt. Aber das Maß der Sensibilität und die Lautstärke des „Nein“, die ändern sich gewaltig. Erschreckend genug und ausreichend, wenn ein Mann wie Schäuble, Schily oder Beckstein an der Macht ist und gemächlich aber stetig den Stein des Widerstands gegen die totale Ãœberwachung höhlt und auf den bewiesenen Gewöhnungseffekt der Bürger setzt.

Noch etwas lockeres zum spätabendlichen Abschluss. Auf dem Heimweg von der Uni heute Nachmittag ist er mir aufgefallen: Ein netter Werbegag eines Gastronomiebetriebs gegenüber den bei Freiheitsfreund bereits erwähnten Erlanger Arcaden, greift den, wie ich finde sehr penetranten und bei mir zumindest kontraproduktiven Slogan „Geiz ist geil“ auf, der seitdem der Rohbau der erlanger Arcaden steht leicht modifiziert von den Gerüsten flattert, wie auch auf der Baustellen-Webcam zu bewundern ist. Das Tio’s hat selbst eine Werbeplane aufgehängt. Schriftzug statt „Dahinter wird’s geiler!“ ist „Hier ist’s schon geil!“. Eine gute Werbeidee, die es wirklich verdient hat, hier genannt zu werden.

Das Wochenende werde ich jetzt erstmal ab morgen nichts mehr schreiben. Weg bin ich, in der Hoffnung auf wunderschönes Wetter. Ich glaube, ich bin ein hoffnungsloser Optimist. Jedenfalls fahren wir das Wochenende in Unterfranken mit dem Fahrrad umher. Wenn es tagsüber wieder etwas heller werden sollte, gibt es unter Umständen ein paar traumhafte Bilder. Schon lange geplant. Und wer konnte denn ahnen, dass es im Juli so schüttet! Der Klimawandel, dieser Klimawandel, brr der Klimawandel. Früher hätte man geschimpft „der Siebenschläfer, dieser Siebenschläfer“, Aberglaube ist Aberglaube, die Menschen wollen keine Wissenschaft. Das ist nunmal so.

Tja, wenn ich mir das so anschaue, schreibe ich wohl ab und zu einfach mal Blogbeiträge, die so ziemlich jeder Regel für einen guten Blogbeitrag widersprechen. Ich weiß noch nicht, ob ich Lust habe, daran etwas zu ändern. Vielleicht nehme ich diese tierische Spielerei als auch ein bisschen (anarcho)liberaler nicht ernst genug für sowas. Sorry, liebe Leser…

4 Kommentare

  1. Du meinst, weil du die Einheit von Ort, Zeit und Handlung nicht eingehalten hast? Ach, naja. Ich mag den Eintrag dennoch.

  2. So ähnlich, keins von alledem ;-). Das kommt halt dabei heraus, wenn man einfach mal anfängt zu schreiben, was man erlebt hat… ganz schlecht für die Leser. :-)

  3. „Die JuLis kommen manchmal ein bisschen schnell auf die “großen Linien” zurück und bleiben dafür dann leider oft dem Wähler die Beantwortung ganz konkreter Fragen schuldig.“

    Vielleicht, weil der Liberale weiß, dass die meisten konkreten Fragen des Lebens Sache des einzelnen und seiner freiwilligen sozialen Bindungen, Familien, Freundeskreise, Gemeinschaften etc sind – und nicht Sache der Politik, die sich nur auf ein paar generell-abstrakte Regeln zu verständigen hat. Sonst nichts!

  4. @herfried: Tja. Vielleicht ist das ja der Grund, warum es keinen „realen Libertärismus“ gibt. Als Legislative muss der Teil des Staates, den die Demokratie ausmacht, nunmal in einer Realen Umwelt agieren und ganz konkrete Probleme lösen. Ich gehöre auch zu denen, die sich klar gegen Ãœberregulierung mit Unmengen Ausnahmetatbeständen aussprechen wie z.B. im Steuerrecht besonders Eindrucksvoll vorhanden.

    Aber gerade in der Kommunalpolitik geht es im Sinne der Subsidiarität darum, im Wettbewerb der Kommunen Politik an ganz klaren und fassbaren Problematiken als pragmatische, lösungsorientierte Sachpolitik einer funktionierenden Bürgergemeinschaft zu machen.

    Da helfen dann „große Linien“, den Kurs zu halten, aber nicht die Probleme zu lösen und die oft genug berechtigten Fragen der „Bürger auf der Straße“ zu beantworten, was meiner Meinung nach zu Recht auch wahlentscheidend ist.

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