Barden trafen

Dieses Wochenende fand in Nürnberg das „Bardentreffen“ statt. Bardentreffen - Bühne an der LorentzkircheMittlerweile im 32. Jahr wiederholtes traditionelles jährliches Ereignis in Franken. Dieses Jahr stand das Bardentreffen unter dem Thema „Frankreich“. Ich muss ehrlich sagen, dass unsere typische Rezeptionsgewohnheit – querdurchlaufen und hören, was man mitbekommt – nicht zum Ergebnis hatte, dass wir besonders viel frankophone Eindrücke bekommen hätten. Das, was wir gehört haben, wirkte mehr, wie eigentlich jedes Jahr, wie eine multikulturelle Melange aus allerlei Weltmusikklängen, auf der Hauptbühne beispielsweise eine interessante Kombination aus modern angehauchtem Rock-Western mit leichtem Klezmer-Einschlag.

Nürnberger Bardentreffen - MTS im RegenZu Beginn schien das Wetter sogar noch mitzuspielen. Ein richtig kräftiger Regenschauer überraschte uns dann, als wir uns im, als eine Band namens MTS leider so gar nicht meinen Geschmack traf, eher üble Kalauer von sich gab als hörenswerte Klänge. Wie sich’s so ergibt, trifft man dort auch mal wieder zufällig auf einen alten Parteifreund. Der im Ãœbrigen auch nicht begeistert vom dort Dargebotenen schien. Also schnell weiter – zu besserer Musik.

Bardentreffen in Nürnberg - KathrarinenruineDer gnadenlos nasse Wetterumsturz führte zwar dazu, dass es nicht mehr ganz so sehr voll war, bei weitem nicht so voll wie die letzten Jahre bei strahlendem Sonnenschein, aber so leer wie auf den Fotos von Seitenhiebe war es trotzdem nicht, in die Katharinenruine, wunderschöne Kulisse mit leider nur einem, wie auch kulturmonster feststellt, viel zu kleinen Eingang, gab es jedenfalls mal wieder kaum Durchkommen. Ein paar weitere schöne Bilder gibt es bei Facing my life.

Bardentreffen in Nürnberg - Blick bei gutem Wetter auf die PegnitzBei der Gelegenheit und wenn ich sowieso schon in der bei mir bisher etwas vernachlässigten Kategorie „Kulturelles“ auf Freiheitsfreund blogge, möchte ich mir erlauben, noch auf ein ganz hervorragendes, weil unterhaltsames, etwas kauziges und musikalisch anspruchsvolles Insiderblog zu verlinken. Eigentlich ein Podcast: Friedrich Witt war vierzig Jahre lang Solo-Kontrabassist bei den Berliner Philharmonikern unter anderem unter dem Taktstock von Furtwängler, von Karajan und Abbado und plaudert mitreißend aus dem Nähkästchen, seine weise anmutenden Ausführungen, die jedem halbwegs abitionierten Hobbymusiker wie mir das Herz höher schlagen lassen, mit kleinen Soli anreichernd. Reinhören lohnt! Abonnieren erst recht. Danke Herr Witt.

Bardentreffen 2007 in Nürnberg - Hauptbühne auf dem HauptmarktEinen kleinen amüsanten Ausschnitt möchte ich gerne zitieren. Nachdem Friedrich Witt erzählt, dass einige Dirigenten von großer Berühmtheit tatsächlich in die Noten der Instrumentalisten hinein ihre Anweisungen über die detaillierte technische Ausführung der Passagen machten, bekennt er:

„Gottseidank hat Karajan sich mit solchen Kleinigkeiten nie abgegeben. Allein die Vorstellung, dass Karajan sich zu Hause hingesetzt hätte, um die Noten der Geiger oder Bassisten mit Auf- und Abstrichen zu bemalen wäre mir absurd vorgekommen. Gott gibt ja auch keine Gebrauchsanweisung, wie das Leben zu meistern wäre. Außerdem war Karajan wiederum der Ansicht, dass Geigen so leicht war, dass sich diese Dinge alle von selbst erklären.“

Und wenn ich sowieso schon dabei bin, Links auf Lesens- und Hörenswertes zu verteilen, empfehle ich anlässlich eines sehr unerfreulichen Ereignisses auf der Heinfahrt auch noch kurz das Prellblog, das ich schon eine Weile mitlese und das sogar Prosa über das neben der Telekom zweitüberbewertetste Unternehmen der deutschen Industrielandschaft lesenswert und unterhaltsam zu präsentieren versteht.

Ein netter Mitarbeiter dieses großen Deutschen Staatsunternehmens mit einflussreichem Chefpolitiker namens Mehdorn an der Spitze und großem roten DB im Signet, maulte meine Freundin doch tatsächlich in einem haarscharf an der Unverschämtheit vorbeischrammenden Ton an, sie wäre eine Schwarzfahrerin, als diese ihr in unserem zu spät fahrenden, stinkenden, laut quietschenden Technologiestandortaushängeschild-Regionalbahn-Abteil das von uns Minuten zuvor erworbene, völlig überteuerte und offensichtlich auch noch schlampig gedruckte Regionalticket unter die Nase hielt.

Dort war nämlich ein 28.07.07 als 26.07.07 gedruckt, weil die Deutsche Bahn es nach 51 Jahren, die es nun die DIN1451-Schriftart gibt, die solche Interpretationsfehler auszuschließen in Auftrag gegeben wurde immer noch nicht geschafft hat, in dieser Schriftart das Datum auf die Fahrkarte zu drucken. Zerschlagt diesen konkurrenzunfähigen Saftladen endlich in Einzelteile und schafft nach dem Vorbild der immer wieder als Negativbeispiel angeführten englischen Bahn endlich ein privatisiertes Schienentransportsystem, das pünktlicher, kundenfreundlicher und moderner ist als unser blamables Monopolunternehmen, dessen durchweg unverschämtes fahrendes Personal doch tatsächlich von 30% Lohnerhöhung träumt!

Trotzdem: Ein schönes Wochenende. Und das war mal wieder ein Blogbeitrag mit zu vielen zu unterschiedlichen Themen. Aber was solls. Mehr daraus zu machen als es ist, käme mir wie Leserbetrug vor.