FDP 2.0 – Der Sprung ins Mitmachnetz

Schon seit einiger Zeit versucht sich die FDP-Bundestagsfraktion mit „TV Liberal“ darin, irgendwie hipp und modern im Internet rüberzukommen und mit multimedialer Präsentation der eigenen Leute und Ideen die Eintrittskarte in die Welt des Web-2.0 zu lösen. Bisher schien das aufgrund merkwürdig unregelmäßiger Sendezyklen und manchmal eher handgeschusterter Auftritte der jeweiligen Abgeordneten eher lau. Die Sendungen wirkten oft ein bisschen , als würden die Protagonisten dazu gezwungen, vor der Kamera einen ungewollten Text vorzulesen. Nun soll also anlässlich der Verabschiedung des „Deutschlandprogramms“ der FDP-Bundestagsfraktion alles anders, alles besser werden.

Das Programm selbst allerdings ist, finde ich, eher eine simple Anpassung an die aktuellen politischen Entwicklungen als eine wirkliche Entwicklung neuer Ideen. Eigentlich hieß so auch schon das FDP-Bundestagswahlprogramm 2005, das auf einer offenen Plattform vorbereitet wurde. Selber Name, fast selber Inhalt. Als großen Wurf in FDP-Verhältnissen kann man vielleicht noch auslegen, dass Daniel Bahr die Forderung nach Senkung der Mehrwertsteuer auf Medikamente hat durchsetzen können, wobei die JuLis sogar in diesem Punkt schon wieder viel weiter sind. Und mal ehrlich. Ist das jetzt erstmal alles? Immerhin geht die FDP nun außerdem das Projekt Parteireform an und bittet um Beteiligung.

Guido Westerwelle gibt sich mit salbungsvollen Worten Mühe, dem Youtube-Start von „TV-Liberal“ gewisses Gewicht zu verleihen. Damit eifert TV-Liberal zurecht einer ganzen Reihe teils hier bereits erwähnter Sender nach, die den Schritt von der Videobereitstellung auf eigenen Seiten zu Youtube (eigentlich fast schon wieder out, die Deutsche Welle ist immerhin nun auch schon auf Sevenload) gegangen sind. Aber als erste Partei oder politische Instanz in Deutschland. Die einzelnen Vorteile sind offensichtlich. Der Profit von der Interaktivität der Nutzercommunity dürfte noch wichtiger als die endlich mögliche einfache Einbindbarkeit in andere Web-2.0-Dienste wie Weblogs sein.

Begrüßenswert. Sollten doch die Partei und die Fraktion dahin gehen, wo die Menschen sind, nicht umgekehrt. Gerade für junge Menschen ist mittlerweile das Internet für viele Fragen das Informationsmedium der Wahl, ganz anders als für manchen Berufspolitiker, die oft genug einfach nicht flexibel und kompetent genug sind, neue technische Entwicklungen zu adaptieren.

Und auch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die bayerische FDP-Landesvorsitzende probiert etwas Neues. Sie startet unter dem Titel „So ist’s Recht!“ ein Weblog beim Stern. Gleich mal neugierig testweise in meine Blogroll aufgenommen. Darüber, dass sie beim Stern bloggt habe ich mich etwas gewundert.

Mir waren bisher die Stern-Blogs bis auf wenige Ausnahmen nie wirklich positiv aufgefallen. Im Unterschied etwa zu denen der Zeit. Dass Abgeordnete gerne bei großen organisierten Bloglandschaften klassicher Medien anfangen (vergleiche das leider eingeschlafene Zeit Politiker-WG Blog mit dem JuLi-Bundesvorsitzenden Johannes Vogel), ist ja fast schon Tradition, vielleicht auch zurecht. Schließlich hat man ja auch noch etwas anderes zu tun, als sich um Technik, Konzeptionierung und Promotion des eigenen Weblogs zu kümmern.

Bei ihrem ersten Eintrag zeigt sich übrigens auch gleich, was wohl mal wieder das Problem wird. Eigentlich müsste ein Blogger ja die nötige Zeit aufbringen, alle Kommentare zu lesen. Das werden aber wohl einige. Resonanz ist klasse, verursacht aber auch wieder Arbeit.Noch ein neues Weblog in der liberalen Familie ist gerade gestartet. Noch dazu das meines JuLi-Bezirksverbandes Mittelfranken. Das Blog der JuLis-Mittelfranken beginnt gleich mal mit ein paar interessanten Kommentaren. Auf in meine Blogroll. Sehr schön, wie sich das entwickelt.

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