Lass dich überwachen…

Vertrau deinem Handy… Einen Besuch wert für alle, die über Ãœberwachungswahn und Blauäugigkeit im Umgang mit Sicherheitsutopien schmunzeln können ist das Künstlerprojekt „Loca“ von den britischen Inseln. Die technisch versierten Aktivisten, unter anderem von ZeroOne, haben sich den Spaß erlaubt, eine in allen modernen Handys angelegte Lücke im Bewusstsein des Normalbürgers vorzuführen, die es in sich hat und jedem technikverständigen Zugfahrgast eine unterhaltsame Zugfahrt bescheren kann.

Kaum jemand schließt nämlich an seinem Handy den Bluetoothzugang oder sichert ihn ab, was dazu führt, dass man den Besitzern oft genug Streiche mit diesen Geräten spielen kann – wenn man gutmütig ist. Nichts toppt aber die Reaktion mancher Passanten, die auf folgenden Hinweis auf ihrem Handy doch tatsächlich das Gerät munter in der Luft herumschwenkten:

„We are currently experiencing difficulties monitoring your position: please wave your network device in the air.“ / „Wir haben gerade schwierigkeiten, ihre Position zu verfolgen: Bitte schwenken Sie ihr Netzwerkgerät in der Luft.“

Die Macher von Loca beschreiben ihr Spiel mit dem menschlichen Intellekt folgendermaßen:

„Loca asks: how do people respond to being tracked and observed? How ready are people to observe others? Who is the user, and how? What does it mean to participate in this project? Do we get fear of surveillance, disinterest, scopophobia or scopophilia? What kinds of behaviour is this technique suited to mapping, and what behaviours is it not suited to? What kinds of behaviour can evade this form of surveillance? How does the contextual information we can detect (such as Location, time spent in one place, etc) relate to people’s everyday experiences of the environment?“

Mehr zur Aktion, Hintergründe und ein paar Bilder gibt es auf der Projektseite von Loca. Wirklich schade, dass es dazu kein Youtube-Video gibt. Aber die New York Times – gerade erst erwähnt – hat einen Bericht (06. August 06) darüber geschrieben. Das Projekt ist nicht mehr ganz neu, ich habe es aber gerade erst entdeckt und ich denke, es passt sehr gut ins Zeitalter des Schäublerismus, der derzeit in meinem schönen Heimatland, dem Freistaat Bayern, mit dem Prozess im Anschluss an eine erste Verhaftung wegen simpler Nutzung einer Stasi-2.0-Schäublone kulminiert. Ist ja auch zu viel Verlangt, dass die Staatsdiener ihren Chef, Beckstein und Schäuble auseinander halten können.