GDL: Verkannte Piloten mit Minderwertigkeitskomplex?

Deutsche Bahn - Ampeln auf Rot - Foto von carlitos auf www.photocase.deIn den Nachrichten werden reihenweise Passagiere der Deutschen Bahn interviewt. Ist es vielleicht möglich, dass ohnehin fast nur noch diejenigen sich derzeit an den Bahnhöfen aufhalten, die desillusioniert durch die Gegend kurven und keine Termine einzuhalten haben, weil sie keine Termine haben? Bis auf mich und ein paar andere Menschen, die nicht auf die Idee kämen, den Reportern im Interview lächerliche Antworten zu geben wie „I woard‘ ‚etzt halt seit 3 Stunden, groad hoams gsocht, da kummt villeicht oaner in ana Stundn, schee, wenna kummd“ oder „klar ist das nicht schön, aber die ham‘ schon recht die Lokführer„? Gibt es denn niemanden mehr, der auf die Bahn tatsächlich angewiesen ist? Wir kleinen Leute müssen gegen das organisierte Großkapital geschlossene Reihen bilden?

Sind das die ersten wirksamen Anzeichen der Enwicklung, dass die SPD seit Gerhard Schröder nicht mehr der natürliche Repräsentant der deutschen Gewerkschaften ist, sondern die SED-Nachfolgeparteien dieses Erbe unter großem Beifall der Gewerkschaftskongresse antreten? Der Traum von Gysi, Bisky und Oskar. Das globale Proletariat erhebt sich. Ob nun in egozentrischer Weise für die eigene Gehaltserhöhung um 30% von ca. 2100 Euro, nun wirklich kein „proletarisches“ Einkommen, oder für die organisierte kommunistische Internationale, das ist doch im Endeffekt erstmal egal. Man nimmt, was man kriegen kann.

Mit welchen Verschiebungen des Wertesystems haben wir es bitte zu tun, die GDL mitsamt ihrem unsäglichen Anführer, Manfred Schell, der von Diplomatie weniger Ahnung zu haben scheint als die Anführer mancher irakischer Enführungskommandos, für einen Verein zu halten, der für eine gerechte Sache kämpft? Offensichtlich gilt ein Argument nicht mehr, das ich bisher immer für die Verteidigung des Systems der deutschen Tarifautonomie sowie der gewerkschaftlichen Macht und des weitreichenden Rechts, zu streiken, nahezu uneingeschränkt anerkannt habe: Das Vorhandensein eines ausgeprägten Verantwortungsbewusstseins für das eigene Unternehmen.

Es müssen 31% sein. Es muss mehr sein als die bei Transnet organisierten Kollegen. Man fühlt sich als Elite des Schienenverkehrs, als Lufthansakapitäne des Bodens. Ich fühle mich unangenehm erinnert an die Pilotenvereinigung „Cockpit“. Für solche Situationen, in denen eine kleine Gewerkschaft an den Hebeln der Macht eine Wirtschaft und eine Gesellschaft schwerwiegend schädigen kann, sind effiziente Mittel notwendig, die es ermöglichen, Gerichtsentscheide, die eine Verhältnismäßigkeit außer Frage stellen, auch umzusetzen. Mal gar nicht davon zu sprechen, dass der Staatskonzern-Moloch Deutsche Bahn gerade ein bisschen an Effizienz zu gewinnen scheint und in den steuerzuschussverwöhnten Chefetagen ein klein Wenig das Bewusstsein zu keimen versprach, zumindest strategisch mit Qualität und Effizienz ein gutes Angebot für die Kunden zu machen.

Gestern bin ich noch streikfrei unterwegs gewesen, hätte das nicht geklappt, wäre es für mich ein echtes Problem werden können. Heute steht meine Freundin wahrscheinlich irgendwann auf irgendeinem unsäglichen Provinzbahnhof und darf sich die dämlich grinsenden Gesichter der schon gestern von mir bewunderten Kugelbäuche mit roten Streifen ansehen.

Zerschlagt diesen monopolistischen Laden endlich“, ich warte darauf, dass die GDL auf diese Forderung gegenüber ihrem offensichtlichen Erzfeind, dem Arbeitgeber, kommt. Ãœber die ersten paar Kündigungen von durchgeknallten Lokführern habe ich mich gefreut. Ist das jetzt Neid meinerseits?

Tipps zum Thema:

1 Kommentar

Kommentare sind geschlossen.