Linke sind Opfer – und zwar gerne

Ein ganzes Land, das sich in der Opferrolle bestens gefällt. Die beste Grundlage für einen Drift hin zur Linkspartei als idealen Multiplikator einer Haltung „Fordern und nichts geben“. Das ist Deutschland? Zumindest Bernd Ulrich kommt in der aktuellen Zeit zu dieser Ansicht. In einem Artikel, in dem er Erhard Epplers Wiederauferstehung als Integrator von linkem, ganz linkem und angeblichliberal-grünem Realsozialismus dokumentiert, die zumindest ich mir nicht hätte vorstellen können. In dem bereits von Oliver Luksic gefundenen Beitrag schreibt Ulrich beispielsweise:

Doch wird die Bereitschaft zur Solidarität immer häufiger gerade von denen unterwandert, die sie am lautesten fordern – einfach, indem die Zahl der Ängstlichen, der Verlierer und Opfer beständig ausgedehnt wird: Arbeitslose, Rentner, Mittelschicht, Studenten, Autofahrer, Eltern, Kinder… Eine ganze Gesellschaft von Benachteiligten – das ist die linke Mehrheit.

Dieser neuen Mehrheit erteilt Erhard Eppler die Generalabsolution. Wenn nämlich anderswo – sein Zeigefinger weist vage zum Fenster des hessischen Bürgerhauses, wohinter sich die Außenwelt befindet –, wenn also anderswo in der Finanzkrise Hunderte von Milliarden Dollar verbrannt werden, wer wollte da richten über die paar Euro des kleinen Mannes?

1 Kommentar

  1. Als letztes Jahr der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, dass Erhard Eppler 3 Monate vor seinem 17. Geburtstag die Mitgliedschaft in der NSDAP beantragt hatte, gab Eppler dem Deutschlandfunk ein Interview. Auf die Frage, ob er im Dritten Reich eine gewisse Sympathie für die Nazis gehabt habe, antwortete er: „Na, also, zuerst einmal waren wir in einem Staat, ich war sechs Jahre, als Hitler an die Macht kam, da kam ich gerade in die Schule. Wir haben eigentlich eine reine NS-Erziehung immer genossen. Und gut, ich wollte auf keinen Fall zur Waffen-SS, aber dass man zur Partei geht, na ja, das fand ich nicht sensationell und nicht besonders.“

    Den Journalisten, die die Meldung über seine NSDAP-Mitgliedschaft verbreitet hatten, warf er vor: „Die haben das nicht nötig, sich mit einer Biografie zu beschäftigen, die interessiert auch die Biografie gar nicht, sondern die interessiert nur die Schlagzeile, möglichst hämisch.“

    Für das öffentliche Interesse an seiner früheren Mitgliedschaft in der NSDAP zeigte Eppler in dem Interview vor diesem Hintergrund nur wenig Verständnis. Zitat: „Das kann man sich heute einfach nicht mehr so richtig vorstellen, und deshalb entsteht der Eindruck, das müssen Fanatiker gewesen sein, aber das waren sie im Großen und Ganzen nicht.“

    Gegen Ende des Interviews meinte er noch: „…ich glaube nicht, dass ein vernünftiger Mensch einen 80-Jährigen danach beurteilt, was der 16-Jährige getan hat.“

    Wohl wahr. Aber ein wenig Reue hätte ich in diesem Fall von einem altersweisen 80-Jährigen halt schon erwartet. Oder ist er gar nicht altersweise?

    Das vollständige Interview kann man übrigens hier nachlesen:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/646690/

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