Zeit feuert Mitarbeiterin aufgrund Politikerbeschwerde

Ich halte die Zeit für eine der verlässlichsten journalistischen Quellen, die es in Deutschland gibt. Auf Telepolis findet sich allerdings heute ein Bericht über den SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy, dessen Verhältnis zur Presse im Allgemeinen, im besonderen zur freien und bis vor kurzem noch Zeit-Journalistin Susanne Härpfer, die einen Postgeheimnis-Skandal bezüglich der Datenübermittlung an die USA aufdeckte und über den vorrauseilenden Gehorsam der Zeit- bzw. Zeit-Online-Chefredaktion, als sich Sebastian Edathy über die ihm nicht genehme Berichterstattung beschwerte, die Jorunalistin de facto zu feuern, ihr keine Aufträge mehr zukommen zu lassen.

Harter Tobak: Ein sehr merkwürdiges Medienverhältnis des Herrn Abgeordneten und ein sehr merkwürdiges Politikverhältnis der Zeit. Es geht hier schließlich nicht um Schmierblätter wie die Bildzeitung, sondern um die Form des Qualitätsjournalismus, die ohne investigativen Anspruch ihre Daseinsberechtigung verlöre.

2 Kommentare

  1. Unmöglich! Sowohl das Verhalten von Herrn Edathy, dessen politische Ansichten ich sowieso nie geteilt habe und der mir jetzt noch umsympathischer wird als auch vor allem von der ZEIT! Ausgerechnet die ZEIT! Das darf ja wohl nicht war sein, das hätte ich von der einzigen (RIP Spiegel! Nie wieder!) verbliebenen Qualitätswochenzeitung (Kleinstzeitungen wie die JF lassen wir mal außen vor) nicht gedacht, ich bin als langjähriger Abonnent schwer enttäuscht und werde das der Redaktion auch unverzüglich mitteilen.

  2. Ausgerechnet die ZEIT soll eine der verlässlichsten journalistischen Quellen sein, die es in Deutschland gibt? Dass ich nicht lache.

    DIE ZEIT hat es bis heute nicht geschafft, auch nur einen einzigen Beitrag zu veröffentlichen, in dem das in Frankreich gescheiterte Referendum über den EU-Verfassungsvertrag erwähnt worden wäre ohne (!) die unbewiesene Behauptung hinzuzufügen, dass die Franzosen mit ihrem „NON“ nicht etwa die EU-Verfassung, sondern den damaligen Präsidenten Jacques Chirac gemeint hätten. (Und es sind sehr sehr viele Beiträge in der ZEIT erschienen, in denen dies der Fall war.)

    Mit demselben Recht könnte mir die Verkäuferin in der Bäckerei am Morgen eine Tüte Milch überreichen und hinzufügen, dass ich in Wahrheit eine Tüte Milch gemeint hätte, als ich sagte: „Drei Brötchen bitte.“

    „DIE ZEIT“ folgt dabei offenkundig immer der Parole: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. An der Tatsache, dass mehrere Bücher über den EU-Verfassungsvertrag monatelang in Frankreich auf den Bestsellerlisten standen, ändert dies allerdings nichts. (In Frankreich gingen mehr als eine Million Bücher über den EU-Verfassungsvertrag vor (!) dem Referendum über den Ladentisch! Schade nur, dass diese Information den meisten bildungsbeflissenen ZEIT-Lesern entgangen sein dürfte.)

    Noch schlimmer ist, dass kaum ein ZEIT-Leser Kenntnis über den tatsächlichen Inhalt des Lissaboner Vertrags (früher: EU-Verfassung genannt) haben dürfte. Tja. Man kann halt nicht zwei Herren zugleich dienen. Entweder dient man dem Leser, oder der EU-Kommission. Die ZEIT hat sich zum Schaden unserer Demokratie für letzteres entschieden.

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