FDP Bayern – Politik das Netz und der Wahlkampf

Anlässlich des FDP-Bayern-Parteitags und Wahlkampfauftaktes für die Landtagswahl habe mich vor kurzem noch ganz stolz über die bayerische FDP und deren meiste programmatische Forderungen geäußert. Aber die Medienkompetenz, was neue Medien angeht. Da verstehe ich nicht, wie die FDP Bayern kommunikationstechnisch immer noch nur das auf die Reihe bekommt, was man im Netz bestaunen kann

Aber erstmal die guten Neuigkeiten. Es gibt, programmatisch vielleicht nicht am wichtigsten, aber wir wollen ja nicht die Partei der „Kälte“ sein, Fotos vom Parteitag. Fotos, auf denen auch ein bisschen mehr Menschen zu sehen sind, als auf denen, die ich bereits auf Freiheitsfreund gestellt habe.

Weiter den Spannungsbogen bergauf: Ganz unten auf der Seite (warum?) findet sich auch die bereits sehnlich erwartete Rede von Martin Zeil (PDF), dem gekührten Spitzenkandidaten der FDP zur bayerischen Landtagswahl. Wirklich gut gelungen, auch im Nachhinein:

[…]Gewiss: Die CSU ist verwundbar geworden. Aber sie
wird um ihre Mehrheit kämpfen, wie eine angestochene
Wildsau. Mit allem, was sie hat, mit einer
Materialschlacht sondersgleichen und mit allen Mitteln.
Kein frisch asphaltierter Feldweg, kein neulackierter
Laternenpfahl, ja nicht einmal eine sanierte
Bahnhofstoilette, werden in den nächsten Monaten vor
einer Einweihungsfeier mit CSU-Prominenz sicher sein. […]

Sie ehrlich darüber zu informieren, was wir ändern
können und welche Folgen dieser Entwicklungen
unabänderlich sind. Nach dem bekannten Wort:
„Herr, gib uns die Gelassenheit, die Dinge anzunehmen,
die wir nicht ändern können, gib uns den Mut, Dinge zu
verändern, die wir ändern können, und gib uns die
Weisheit, beides voneinander zu unterscheiden
.“ […][Das scheint Reinhold Niebuhr zu sein]

(Zitat aus Martin Zeils Rede, das es auch in einige Zeitungen am Tag darauf geschafft hat)

Die Eröffnungsrede von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (PDF), die sich bewusst auf dem Parteitag etwas zurückgenommen hat, um Zeil in den Mittelpunkt zu stellen war ebenfalls sehr gut.

Ich bin nach meinem letzten (und bisher so ziemlich einzigen) Gerichtstermin wegen einer Netzabmahnung in Verbindung mit der Politik, die ich mein Hobby nenne sehr vorsichtig geworden, was die Kritik an Klitschen angeht, die irgendwelche tollen Webservices für horrende Summen anbieten. Nicht nur für Parteien, auch in anderen Branchen.

Aber alleine, welche Geldbeträge das so sind, hat man erst auf dem genannten Parteitag auf einem Stand eines neuen Konkurrenzunternehmens des bisherigen Fastmonopolisten sämtlicher Webpräsenzen der FDP Bayern und ihrer Untergliederungen vorgeführt bekommen. Ich würde für diese Summen mehr erwarten, das System, auf dem die FDP-Bayern-Seiten üblicherweise laufen kenne ich im Front- wie im Backend, da ich Administratorzugang zu einer Untergliederungsseite habe.

Ach ja. Und warum… nur am Rande… warum bindet die FDP Bayern auf ihrer Website den Newsfeed von „Chip online“ ein? Ãœberschrift „Unser Service für Webuser“. Ein „Webuser“ kann in der Browserzeile auch mal eben die Adresse von Chip eingeben, auch wenn unsere Zielgruppe der Webuser wohl, hoffentlich, eher zu heise surfen wird, wenn es um Technews geht. Aber für so etwas gehe ich doch nicht auf www.fdp-bayern.de! Das erwarte ich nicht von meiner Seniorenpartei, selbst dann nicht, wenn ich den ganzen Techoverhead, den die Bundespartei auf ihren Seiten unter my.fdp.de aufbaut, mitsamt eigenen Netzwerkpools und Social Network ernstnehme.

Das Wahlprogramm, das wir auf dem Parteitag basisdemokratisch geformt und beschlossen haben, scheint leider noch nicht online für die interessierten Bürger zu stehen. Es kann sein, dass es mit über 50 Seiten für die meisten auch ein bisschen lang ist, es wird ja eine Kurzfassung ebenfalls geben. Nur online hätte ich es schon gerne gesehen. Wir JuLis versuchen normalerweise, unsere Programmatik, die bei realistischer Selbsteinschätzung auf weniger Publikumsresonanz stößt als die der FDP, immerhin innerhalb von 3 Tagen nach den Kongressen online zu haben. Mal schauen, wann das FDP-Programm kommt.

Irgendwo fange ich doch das Grübeln an: Ist es vielleicht wirklich so, dass der ganze Hype um Politik im Netz an der wirklich wahlentscheidenden Zielgruppe komplett vorbei geht? Ist die Mitgliederschar der FDPler, bei denen ich weiß, dass es eine nicht zu vernachlässigende Untergruppe gibt, die stolz darauf ist, keine „E-Mail-Adresse“ ihr eigen zu nennen, repräsentativ? Ist es vielleicht repräsentativ, dass ich schon so oft am Infostand auf meinen Hinweis hin, das Wahlprogramm gäbe es komplett durchsuchbar online und Dieses oder Jenes sei Kommentierbar die Antwort bekommen habe, „so ein neumodisches Zeug brauch ich nicht, geben Sie mir einfach das Programm“?

Sehen wir es mal pragmatisch. Die Zielgruppe der JuLis zumindest, soviel kann vorausgesetzt werden, erwartet von uns eine ordentliche Internetpräsenz, mit der man auch etwas anfangen kann. In ein paar Tagen gibt es unter www.julis-fuerth.de auch endlich eine neue Seite meines liebgewonnenen JuLi-Kreisverbandes. Pünktlich bevor im beginnenden Monat der Landeskongress der JuLis Bayern uns in Fürth besuchen wird. Ich bin noch dabei, die Seite mit Inhalten zu füllen, was mich ein bisschen melancholisch macht.

Ca. 2001, noch ziemlich zu Beginn meines aktiven politischen Engagements war ich es, der die allererste Website (auf archive.org) unseres JuLi-Kreisverbandes unter dieser Adresse online gestellt hat. Alles noch handgeschrieben. Die neue Seite ist selbstverständlich ein funktionales Typo3-System in Stil des JuLi-Landes und -Bundesverbandes, wobei wir so bequem sind, uns des fertig konfiguierten Systems des JuLi-Bundesverbandes zu bedienen. Falls es Hinweise gibt, was auf der Seite unbedingt zu finden sein sollte, Hinweise und Wünsche werden gerne entgegen genommen!