Videoüberwachung in Großbritannien: „Völliges Fiasko“

Hightech nutzt Großbritannien seit langem schon, um an jedem irgend möglichen Ort die Bürger mit 4,5 Mio. Videokameras zu überwachen. Am Rande sei erwähnt, dass die Deutsche Wirtschaft an diesem Überwachungswahn ganz gut zu verdienen scheint. Immerhin kann ich mich an eine Unmenge Kameras erinnern, auf die deutsche Herstellernamen gedruckt waren. Zum Prinzip der flächendeckenden Videoüberwachung fiel mit jetzt ein Artikel in der Süddeutschen auf. Scotland Yard meintnämlich, diese flächendeckende Überwachung sei ein Reinfall gewesen. Ich freue mich schon wieder auf die nächste Diskussion, auf der der Aufbau einer flächendeckenden Überwachungsstruktur von CSUlern damit begründet wird, dass diese Systeme wirkungslos wären sei nicht bewiesen:

Der britische Steuerzahler, der seit Jahren Milliarden in die eigene Ãœberwachung investiert, hat nun erfahren dürfen, dass diese „ein völliges Fiasko“ sei. Das sagte Mike Neville, der bei Scotland Yard für die Videoüberwachung zuständig ist, jetzt bei einer Sicherheitskonferenz in London. Der Beitrag zur Aufklärung von Verbrechen sei minimal; in der britischen Hauptstadt, der bestüberwachten Metropole Europas, würden nur drei Prozent aller Diebstähle auf offener Straße per Video aufgeklärt. Kriminelle hätten den Respekt vor der Ãœberwachung verloren, die Polizei ertrinke in einer Bilderflut, es fehle an ausgebildeten Beamten für die Sichtung. Allein in London wird ein Passant, der sich einen Tag in der Stadt aufhält, im Schnitt 300 Mal vom Kamerasystem CCTV (Closed Circuit Television) erfasst. (via Süddeutsche)

Natürlich ist das keine Entwarnung für Kritiker der flächendeckenden Videoüberwachung. In Großbritannien hat man das System schon so früh aufgebaut, dass es heute mit VHS-Bändern und veralteter Technik meilenweit hinter dem technisch Möglichen herhinkt. Das derzeit in China anlässlich der Olympischen Spiele aufgebaute System ist sicher alleine deshalb schon erheblich effizienter, wenn es um die Überwachung der Passanten geht. Ob auch in der Kriminalitätsbekämpfung effizienter als klassische Polizeiarbeit, das bleibt natürlich fraglich, ist aber in diesem Fall auch gar nicht die zur Wahl stehende Alternative.