Der Sieg der Islamisten ist die Radikalisierung, nicht die Islamisierung

Arian Je suis CharlieEin Attentat auf die Mitarbeiter von Charlie Hebdo kostete 12 Menschen ihr Leben. Ich trauere mit den Opfern und deren Angehörigen. Die französische Satirezeitung war zuletzt am 3. November 2011 international in den Medien, als sie es gewagt hatte, sich durch eine Karikatur von Mohammed über den Islamismus lustig zu machen und ein Brandanschlag die Antwort einiger Fundamentalisten war.

Der Anschlag ist ein Anschlag der Feinde der Freiheit auf die europäische, liberale Demokratie, ihre Kultur und das Grundrecht der freien Meinungsäußerung. Denn der eigentliche Konflikt ist nicht der eines „Abendlandes“ gegen ein „Morgenland“, der eines „Christentums“ gegen einen „Islam“. Es ist der Konflikt toleranter, vielfältiger und freier moderner Demokratien gegenüber einem extremistisch-religiös unterfütterten, intoleranten Totalitarismus. Es ist die Anmaßung dieses Totalitarismus wider die aufgeklärte Toleranz gegenüber persönlichem Glauben, die uns Lessings Ringparabel vor Augen führt. Attentate auf die exponiertesten Protagonisten dieser Freiheit, auf Journalisten und Künstler, stehen dabei seit Jahren auf der Tagesordnung. Dabei ist es unerheblich, ob die Journalisten und Künstler Provokation zu ihrem Geschäftskonzept machen, ob ihre Werke geschmackvoll sind oder geschmacklos, denn diese Vielfalt aus liberaler Pressefreiheit bereichert unsere Gesellschaft. Die Anschläge und Drohungen sind durchschaubar. Sie sind, wie Al Quaida und 9-11 in den USA, zum bewusst oder unbewusst eingesetzten, aber in jedem Fall sehr effizienten, Mittel der politischen Beeinflussung geworden. Das Ziel ist: Politik durch Angst.

„Weniger bekannt ist das Paradox der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“
Karl Raimund Popper in Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

Denn die Angst ist der natürliche innere Widersacher der offenen demokratischen Gesellschaft. Sie lässt sich nur durch absolute Sicherheit stillen, den natürlichen inneren Feind jeder offenen Gesellschaft, denn wer absolute Sicherheit will, wird dafür die Freiheit aufgeben müssen, die er eigentlich will.

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Art. 5 GGIst dieser Anschlag, sind die Drohungen und Anschläge gegen Salman Rushdie, Charlie Hebdo, Kurt Westergaard und andere Beweis für eine „Islamisierung des Abendlandes“? Nein, gäbe es jene Islamisierung, gäbe es nicht diese Anschläge. Sie sind der Beweis, dass eine freiheitliche Demokratie sich nie absolut gegen die Willkür einer lauten Minderheit schützen kann. Und sie werden den Konflikt auf der Straße und in der Politik verschärfen: Wer toleriert, dass die Politik direkt oder indirekt radikalisiert, übt Toleranz gegen Intoleranz, auch wenn er sich als Mitläufer, im wahrsten Sinne des Wortes, betätigt. Je lauter diese wenigen radikalen sind, desto weniger müssen sie sein, um die offene Gesellschaft zu unterminieren. Ob das Lametta dieser Intoleranz in arabischen weißen Lettern auf schwarzem Grund oder in schwarz-rot-gold das eigentliche Ziel umspielt, ist unerheblich.

Die Freiheit verteidigt sich nicht von selbst, aber die Verteidigung der Freiheit sollten Liberale nicht den Radikalen überlassen.

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7 Kommentare

  1. Hi, ich habe meinen Kommentar auch schon auf Matthias Seite geteilt und mit Erlaubnis denke ich, dass es vielleicht auch hier her passt.

    Vielen lieben Dank Matthias. Du spricht mir aus der Seele. Es wäre aber sehr schön, wenn sich Menschen mal auch Gedanken über Worte und deren Ziele sowie Ergebnisse machen würden. Warum heißt es Islamist abgeleitet von Islam und nicht Christimist oder Christentummist, Judimist oder Judentummist. Da sind es doch auch eher christliche Fundamentalisten.

    Wenn man sich etwas mit der islamischen Geschichte befasst, erkennt man das es zwei große Gruppierungen gibt, die Sunniten und die Schiiten. Aber es gab noch eine dritte, kleine Gruppe die sich mit der Zeit auflösten und ab und zu immer wieder mit ihrer Ideologie zurück kamen und sich zuletzt mit dem Vahabismus/Salafismus wieder manifestierten. Wir nannten dieses Phänomen die Charidschis/Harici. Das heißt in etwa dir Außenseiter, die anderen, die von Außerhalb, die nicht dazu gehörenden. Das war eine Gruppe von Beduinischen Arabern die ihre kulturellen Werte des Mordes und Todschlages mit in ihr Verständnis des Islam aufnahmen. Sie waren so extremistisch, das sie alle Moslems, die nicht so dachten wie sie als ungläubige die den Tod verdienten darstellten. Selbst den Kalifen Ali (so etwas wir ein Papst) wollten oder haben sie sogar ermordet.
    Die westliche Welt hätte von Anfang an diese extremistischen, totalitären Gruppierungen als Harici bezeichnen sollen und sagen sollen, das ist eine Gruppe von Extremisten, genau so wie sie es auch heute mit den so genannten Selefi also Salafisten machen. Nur hat man nun schon eine ganze Religion alleine mit dem Begriff Islamist seit über einem Jahrzehnt unter Generalverdacht gestellt.

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